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Monikas Büchertagebuch Mai 2005

Charles Stross: The Atrocity Archives -- B

Erzählt werden die Abenteuer des Computerspezialisten Bob Howard, der in einer Welt lebt, in der es möglich ist, mit Computern Dämonen zu beschwören. Der Band enthält den (relativ kurzen) Roman The Atrocity Archive und die Novelle The Concrete Jungle, die in diesem Jahr für den Hugo Award nominiert ist. Die Geschichten sind eine seltsame, aber recht gelungene Mischung aus Science-Fiction und Horror, und der Gedanke, die Nazis hätten wie in The Atrocity Archive eine Möglichkeit gefunden, das absolute Böse zu beschwören und dazu zu benutzen, ihre Rassengesetze durchzusetzen, fällt zumindest aus dem üblichen Rahmen. Die etwas schnoddrige Erzählweise ist gewöhnungsbedürftig, hat mir aber ganz gut gefallen. Kein Massenprodukt, das sich bemüht, jedem gefällig zu sein, dafür originell.

Stephen King: Misery -- A

Stephen King habe ich in den 80er Jahren entdeckt, er war der erste Autor, der mich an Bücher mit übersinnlichen Komponenten herangeführt hat (davor habe ich fast ausschließlich Mainstream gelesen). Auch wenn ich seit ca. zehn Jahren nur noch selten zu King greife, ist Misery eines der Bücher, die ich immer mal wieder aus dem Regal ziehe. Die Geschichte des Erfolgsautors Paul Sheldon, der von einem verrückten Fan in ihrem Haus gefangen gehalten und gezwungen wird, ihre Lieblingsfigur wieder auferstehen zu lassen, die er im letzten Band der Serie endlich erfolgreich ins Jenseits befördert hatte, ist meiner Meinung nach immer noch eines der besten Bücher, die King je geschrieben hat. Ein Alptraum für jeden Autor, den er hoffentlich nie selbst wird erleben müssen.

Graham Joyce: Requiem -- B

Noch ein Buch, in dem das Übersinnliche eine Rolle spielt, am ehesten könnte man es wohl als Horrorroman bezeichnen, das Grauen ist allerdings subtiler als bei Stephen King und hält sich etwas im Hintergrund. Meistens weiß man nicht genau, ob es nicht doch nur eine Ausgeburt der Fantasie der Protagonisten ist.

Tom ist Lehrer und hat kürzlich seine Frau bei einem tragischen Autounfall verloren. Da er die häusliche Umgebung nicht mehr ertragen kann, hängt er seinen Job an den Nagel und reist nach Jerusalem, wo der einzige Mensch lebt, von dem er sich Hilfe erhofft - seine Jugendfreundin Sharon. In dem Hotel, in dem er absteigt, lernt er David kennen, einen alten Mann, der im Besitz einiger Qumranrollen vom Toten Meer ist, die bisher nie übersetzt worden sind. Auf der Suche nach einem Übersetzer lernt Tom Ahmed kennen, der zwar viel Erfahrung auf diesem Gebiet hat, ansonsten aber eher ein Fall für die Psychiatrie zu sein scheint. Jedenfalls macht er auf Tom diesen Eindruck, obwohl die ewige Stadt auch auf ihn selbst seltsame Auswirkungen zu haben scheint.

Joyces Art, den Leser immer wieder dazu zu bringen, sich zu fragen, was real ist und was nicht, hat mir gut gefallen. Sein Erzählstil ebenfalls, auch die Charaktere waren gut genug ausgearbeitet, um realistisch zu wirken.

Lemony Snicket: The Wide Window -- B

Band 3 von A Series of Unfortunate Events, in dem die Baudelaire-Kinder zu einer weit entfernten Tante kommen, die sich vor buchstäblich allem fürchtet. Für Count Olaf ist es auch diesmal kein Problem, sie aufzuspüren, er versucht in einer neuen Verkleidung, sie in seine Klauen zu bekommen, damit er sich ihr Vermögen aneignen kann.

Auch diesmal passieren den Baudelaires allerlei fürchterliche Dinge, die in Kinderbüchern normalerweise nicht passieren, und ein Happyend ist nicht absehbar. Nichts für Leser, die immer alles schön sauber, nett und freundlich wollen.

Robert J. Sawyer: Mindscan -- A

Im Jahr 2045 hat die Firma Immortex ein zuverlässiges Verfahren entwickelt, um das Bewusstsein eines Menschen in einen künstlichen Körper zu transferieren. Die neue Technologie ist jedoch teuer und vorerst nur den Reichen vorbehalten. Sie hat außerdem einen Nachteil: Das "Original" bleibt erhalten und muss seine Persönlichkeitsrechte dem Upload übertragen. Für die so genannten "Shed Skins", die "abgelegten Körperhüllen", hat Immortex auf der erdabgewandten Seite des Mondes ein Luxushotel errichtet, wo sie den Rest ihres Lebens verbringen, das im Normalfall nicht mehr lange dauert, da nur sehr alte oder todkranke Menschen sich für diese Art des "ewigen Lebens" entscheiden.

Jake Sullivan, der Erbe einer Traditionsbrauerei in Toronto, ist zwar erst 44 Jahre alt, leidet aber an einer Erbkrankheit, die ihn von heute auf morgen umbringen kann. Er gehört zu den ersten Kunden von Immortex, die sich jedoch sehr bald schon mit unvorhergesehenen Problemen herumschlagen müssen, als der Sohn einer bekannten Schriftstellerin, die sich ebenfalls für den Upload entschieden hat, ihre Identität anfechtet, nachdem seine Mutter auf dem Mond verstorben ist.

Auch in diesem Buch gelingt es Sawyer, ein interessantes Science-Fiction-Konzept in einer spannenden Geschichte zu verpacken. Die ethischen Fragen, die sich dabei stellen, haben ihn bereits vor 10 Jahren in Die dritte Simulation beschäftigt. Was macht einen Menschen zum Menschen? Gibt es so etwas wie die Seele? Mindscan geht einen Schritt weiter, es wird nämlich nicht nur eine Simulation in einem Computer erschaffen, sondern ein neues Individuum, an das alle Rechte des lebendigen "Originals" übertragen werden. Die Konsequenzen, die dies haben könnte, werden glaubhaft geschildert und geben dem Leser reichlich Stoff zum Nachdenken.

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Zuletzt aktualisiert am: Donnerstag, 23. Juni 2005

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