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Monikas Büchertagebuch Januar bis März 2005

Da ich im Augenblick irgendwie nicht dazu komme, längere Kommentare zu schreiben, habe ich mich bemüht, wenigstens ein paar Gedanken zu den Büchern, die ich bisher dieses Jahr gelesen habe, zu Papier zu bringen. Links führen zu vorhandenen Kritiken oder zu Autorenseiten.

Januar 2005

Kage Baker: The Life of the World to Come -- A

Band 5 der Company-Serie. Das Buch erzählt die Geschichte von Alec Checkerfield, die auf Umwegen mit der von Mendoza verknüpft ist. Wer die ersten 4 Bände der Serie nicht gelesen hat, wird mit diesem Buch nur wenig anfangen können, doch langsam steuert die Geschichte auf das unausweichliche Finale zu.

Roger MacBride Allen: Waisen der Schöpfung -- B-

Die Paläoanthropologin Barbara Marchando findet im Haus ihrer Tante das Tagebuch eines ihrer Vorfahren aus dem 19. Jahrhundert. Er berichtet darin von einer neuen "Rasse" von Sklaven aus Afrika, deren Beschreibung Barbara neugierig macht. Als sie herausfindet, dass einige dieser Wesen auf dem Grundstück bestattet worden sind, organisiert sie eine Ausgrabung, die einen überraschenden Fund zutage fördert: das Skelett einer Art, die seit fast einer Million Jahre als ausgestorben gilt. Es handelt sich dabei nicht etwa um einen Menschenaffen, sondern um ein Mitglied der Familie Homo selbst.

Der Autor erzählt, welche Auswirkungen die Entdeckung von Überlebenden unserer eigenen Vorfahren auf Wissenschaft und Gesellschaft haben könnte. Das Buch ist packend geschrieben und berichtet in glaubwürdiger Weise, was in so einem Fall passieren könnte. Leider ist die deutsche Übersetzung so schlecht, dass es eine Schande ist.

Kage Baker: Black Projects, White Knights: The Company Dossiers -- A

Eine Sammlung von Kurzgeschichten, die tieferen Einblick in die Charaktere der Company-Serie gewährt. Episoden aus dem Leben der Botanikerin Mendoza, ihres Mentors Joseph, Lewis des Schriftenkonservators und anderen. Hier begegnen wir auch zum ersten Mal Alec Checkerfield, dem Protagonisten des 5. Bandes der Serie. Auch beim zweiten Lesen gibt es in diesem Buch keine Geschichte, die mir nicht gefallen hätte.

Kim Stanley Robinson: A Short, Sharp Shock -- B-

Meine erste Begegnung mit dem Autor, der vor allem durch seine Marsbücher bekannt geworden ist. Dieses dünne Büchlein ist eher eine Novelle als ein Roman, es erzählt die Geschichte eines Mannes, der eines Morgens nackt an einem unbekannten Strand liegt und keinerlei Erinnerung an sein früheres Leben hat. Die Welt, in der er gestrandet ist, ist von seltsamen Völkern bewohnt und nicht ungefährlich. Der Stil ist für meinen Geschmack etwas zu literarisch und surrealistisch, auch das Ende fand ich etwas unbefriedigend.

Ian Tattersall: Puzzle Menschwerdung -- B

Die Entstehung des Menschen ist ein schier unerschöpfliches Thema. Ich weiß nicht, wie viele populärwissenschaftliche Bücher es dazu bereits gibt, es dürften mittlerweile einige sein. Tattersall bringt seine Leser auf den neuesten Stand der Forschung und langweilt dabei eigentlich nie, obwohl er sehr sachlich schreibt.

Februar 2005

Kage Baker: The Graveyard Game -- A+

Band 4 der Company-Serie, lange vergriffen, nun endlich wieder erhältlich als Trade Paperback von Tor. In diesem Buch geht es ans Eingemachte, es werden nicht nur neue Fragen aufgeworfen, sondern endlich einige beantwortet. Joseph und Lewis machen sich auf, nach Mendoza zu suchen, die wie vom Erdboden verschluckt ist. Es wird gemunkelt, Dr. Zeus hätte sie in prähistorischer Zeit "geparkt", um sie aus dem Weg zu haben. Bei ihrer Suche kommen die beiden einigen schmutzigen Geheimnissen der Company auf die Schliche. Zwei der wichtigsten Ereignisse aus Mendoza in Hollywood werden in diesem Buch aufgegriffen und spielen eine zentrale Rolle, man bekommt langsam eine Ahnung, warum Mendoza so wichtig für die Serie ist und warum es möglicherweise ein Fehler von Dr. Zeus war, sie unsterblich zu machen. Ein grandioses Puzzle beginnt, Gestalt anzunehmen, meiner Meinung nach der bisher beste Band in der Serie.

Robert J. Sawyer: Iterations -- A

Eine Kurzgeschichtensammlung des kanadischen Science-Fiction-Autors, der von sich sagt, er fände es äußerst schwierig, Kurzgeschichten zu schreiben. Einige der in diesem Band enthaltenen Geschichten haben Preise gewonnen, die Themen sind vielfältig, mir persönlich gefallen jedoch nach wie vor diejenigen am besten, die ein paläontologisches Thema haben. Lesenswert sind sie indessen alle.

Jasper Fforde: The Eyre Affair -- B

The Eyre Affair dürfte der ungewöhnlichste Krimi sein, den ich je gelesen habe. Ich hatte etwas Probleme, mich in die Welt von Thursday Next hineinzufinden, doch die Idee, Charaktere aus Büchern zu entführen, hat etwas Bestrickendes. Wahrscheinlich hat man mehr davon, wenn man Dickens und Jane Eyre gelesen hat, aber selbst wenn man die Anspielungen nicht alle mitbekommt, bleibt noch genug übrig,um Spaß an der Lektüre zu haben. Ich werde auf jeden Fall einen Blick in den nächsten Band riskieren.

Mercedes Lackey: Werehunter -- C+

Eine Sammlung von Fantasy-Geschichten, die mich jedoch nicht genug beeindruckt haben, um mehr von dieser Autorin lesen zu wollen. Und ganz sicher keinen Roman. Ich fürchte, diese Art von "Ende gut, alles gut"-Geschichten kann ich, wenn überhaupt, nur in kleineren Dosen (v)ertragen. Tragische Figuren und Konflikte, die ein Buch für mich erst wirklich interessant machen, sucht man hier vergebens.

John R. Horner: Digging Dinosaurs -- A

Dies ist eines der ersten Dinosaurierbücher, die ich je gelesen habe. Auch nach mehr als zehn Jahren üben Horners Beschreibungen nach wie vor dieselbe Faszination auf mich aus. Dem breiten Publikum ist er inzwischen vermutlich eher für seine unorthodoxe Theorie, T. rex sei ein Aasfresser und kein Jäger gewesen, bekannt. Einen Namen hat er sich jedoch mit der Entdeckung der ersten Dinosauriernester in Nordamerika gemacht und der Theorie, Maiasaura - die "Gute-Mutter-Echse" - habe Brutpflege betrieben. Und genau darum geht es in Digging Dinosaurs.

J. K. Rowling: Harry Potter and the Order of the Phoenix -- A-

Harrys 5. Schuljahr in Hogwarts. Nach Prisoner of Azkaban das meiner Meinung bisher beste Buch in der Serie, auch wenn ich mich nach wie vor nicht mit dem Schluss abfinden kann.

Andreas Eschbach: Das Marsprojekt -- B+

Die Forschungsstation auf dem Mars soll einer Sparmaßnahme zum Opfer fallen und geschlossen werden, womit sich die "Marskinder" - die Kinder einiger Wissenschaftler auf der Station - nicht abfinden wollen. Eigentlich ein Jugendbuch, aber auch für Erwachsene gut lesbar. Im Prinzip hat es mir besser gefallen als "Der Letzte seiner Art", für das ich mich - obwohl es gut geschrieben ist - nicht wirklich erwärmen konnte.

März 2005

Lemony Snicket: The Reptile Room -- B

Band 2 von A Series of Unfortunate Events. Die Baudelaire-Kinder glauben Count Olaf glücklich entronnen zu sein, doch man soll den Tag bekanntlich nicht vor dem Abend loben. Onkel Monty, der liebenswerte verschrobene Professor, der sein Leben dem Studium von Reptilien gewidmet hat, gibt leider nur ein kurzes Gastspiel im turbulenten Leben der drei Waisen. Die Serie, die vor allem im englischen Sprachraum auch viele erwachsene Leser begeistert, hebt sich vom üblichen Kinder-/Jugendbuchschema ab, weil es am Ende kein Happyend gibt. Und auch das, was man zwischen dem Anfang und dem Nicht-Happend geboten bekommt, ist nichts für Leute, die am liebsten über eine heile Welt lesen. Ihnen sei z. B. Mercedes Lackey empfohlen.

Mary Doria Russell: A Thread of Grace -- A-

Über die Juden im Dritten Reich wurde bereits viel geschrieben, sowohl in Roman- als auch in Sachbuchform. Meistens geht es dabei um die Schicksale deutscher Juden, doch auch in anderen europäischen Ländern wurden die Juden unter der deutschen Besatzung verfolgt. A Thread of Grace erzählt die Geschichte einiger jüdischer Familien verschiedener Nationalität, die ihr Heil in der Flucht nach Italien suchen, wo es für die Einheimischen selbstverständlich zu sein schien, diesen Menschen zu helfen. Wie bereits in ihren beiden Sciencefiction-Romanen Sperling und Gottes Kinder gelingt es der Autorin auch diesmal, nicht nur eine gute Geschichte zu erzählen, sondern diese auch mit lebensechten, dreidimensionalen Figuren zu bevölkern. Unter den jüdischen Flüchtlingen versteckt sich z. B. auch ein abtrünniger deutscher Arzt, der über 9000 Menschenleben auf dem Gewissen hat. Ohne Kriegsverbrechen dieser Art in irgendeiner Weise zu beschönigen oder zu entschuldigen, zeigt Russell, dass sich auch hinter Werner Schramm ein menschliches Schicksal verbirgt. Das Buch verlangt dem Leser einiges an Konzentration ab, die komplexen, miteinander verwobenen Handlungsstränge und die zahlreichen Charaktere machen es nicht immer leicht, dem roten Faden zu folgen. Ein wenig fehlt auch (manchmal) das Moment des Staunens, das ihre Beschreibungen der Welt von Rakhat immer wieder aufkommen ließen. Wer jedoch nicht unbedingt auf das Genre Sciencefiction festgelegt ist, sollte A Thread of Grace eine Chance geben.

Kage Baker: In the Garden of Iden -- A

In Erwartung des 6. Bandes der Company-Serie, der im Oktober 2005 erscheinen soll, habe ich mir vorgenommen, die ersten drei Bücher noch einmal zu lesen. Rückblickend ist es ähnlich wie bei Harry Potter faszinierend, wie Ereignisse aus früheren Büchern in späteren Bänden wieder aufgegriffen werden und eine Bedeutung erlangen, die vorher nicht abzusehen war. Mendozas Lebensweg wird durch ihre schicksalhafte Begegnung mit Nicholas Harpole bereits hier in eine Richtung gelenkt, die sie zu einer Gefahr für Dr. Zeus werden lässt.

Louis Beyens - Arktische Passionen -- B+

Die Abenteuer eines modernen Forschungsreisenden in der Arktis. Grönland, Spitzbergen, das sind Namen, die zumindest in mir zunächst die Vision von grimmiger Kälte und karger Landschaft heraufbeschwören und erst danach von unwirklicher Schönheit. Die Aussicht, mir diverse Körperteile abzufrieren, wirkt auf mich eher abschreckend, sodass ich die Beschreibungen dieser eisigen Welt lieber gemütlich zu Hause genieße. Beyens' Reiseberichte sind anschaulich und gut lesbar geschrieben, wo die Vorstellungskraft nicht ausreicht, darf man einen Blick auf den Fototeil in der Mitte des Buches riskieren. Und ganz nebenbei erfährt man auch noch etwas über die Geschichte dieser Regionen, die stark durch die Eiszeiten geprägt wurden.

Robert J. Sawyer: Fossil Hunter -- B+

In Fossil Hunter entführt Sawyer seine Leser wieder in die Welt der Quintaglios, einer Spezies von intelligenten Dinosauriern, deren Heimat ein Mond ist, der einen riesigen Gasplaneten umkreist und diesem langsam zu nahe kommt, weswegen sie ihren Exodus vorbereiten. Band 2 der Trilogie erzählt die Geschichte von Toroca, dem Sohn von Afsan, der in Far-Seer das Weltbild der Quintaglios völlig umkrempelte, als er erkannte, dass ihre Welt nur einer von mehreren Monden ist, die um einen Gasriesen kreisen. So wie Afsan das Pendant zu Galileo ist, ist Toroca das Gegenstück zu Charles Darwin und entwickelt auf seiner Reise in unerforschte Gebiete eine Evolutionstheorie. In diesem Band erfährt man auch etwas darüber, wie die Quintaglios, deren Vorfahren sich auf der Erde entwickelt haben, auf ihre Welt gelangt sind.

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Zuletzt aktualisiert am: Donnerstag, 07. April 2005

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