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Monikas Büchertagebuch April 2005

Kage Baker: The Anvil of the World -- B

Neben der Company-Serie hat Kage Baker auch Fantasy geschrieben. The Anvil of the World ist ihr erster Roman in diesem Genre, eigentlich besteht er aus drei miteinander verknüpften Novellen, die in derselben Welt angesiedelt sind und die Geschichte von Smith erzählen, einem ehemaligen Berufskiller, der seines Handwerks müde geworden ist und ein bürgerliches Leben anstrebt. Seine Bekanntschaft mit Lord Ermenwyr, dem jüngsten Sohn des Masters of the Mountain, eines mächtigen Zauberers, sorgt jedoch dafür, dass von einem beschaulichen Leben keine Rede sein kann. Überall, wo der Halbdämon Ermenwyr auftaucht, ist es mit der Ruhe vorbei - sehr zum Vergnügen des Lesers. Auch wenn er nicht die eigentliche Hauptfigur des Romans ist, stiehlt er Smith ziemlich oft die Schau. Streckenweise erinnerte mich der Stil des Buches an Terry Pratchetts Scheibenwelt-Romane, auch wenn Bakers Charaktere etwas weniger karikaturenhaft sind und die Bezüge zur wirklichen Welt, die Pratchett auf Schritt und Tritt einbaut, weitgehend fehlen.

Terry Pratchett: Reaper Man -- A

Was passiert, wenn Gevatter Tod beschließt, seinen Job an den Nagel zu hängen und zu leben? Ganz recht, es wird nicht mehr gestorben, jedenfalls nicht, wie es sich gehört, und die Untoten müssen eine Selbsthilfegruppe gründen ... Bekanntlich kommt Death persönlich, wenn ein Zauberer stirbt, doch auch damit ist es nun vorbei, wie der unglückliche Windle Poons erfahren muss. Derweil arbeitet Death unter dem Pseudonym Bill Door auf einem Bauernhof, denn mit der Sense kann er bestens umgehen. Es dauert eine Weile, bis Miss Flitworth, seine Arbeitgeberin, Verdacht schöpft, denn auch wenn Bill ein bisschen dünn und unterernährt daherkommt - dass er wirklich ein Skelett ist, können nur unvoreingenommene Kinderaugen sehen, die Erwachsenen sehen nur das, was sie sehen wollen.

Reaper Man hat man mir vor Jahren als Einstieg in die Scheibenwelt geliehen, es hat mich damals nicht über die Maßen beeindruckt. Richtig zu schätzen weiß man es vermutlich erst, wenn man mit den Gegebenheiten und Gesetzen in dieser verrückten Spiegelwelt vertraut ist. Inzwischen gefallen mir die Geschichten der Stadtwache sowie die Geschichten um Gevatter Tod am besten, und bei Reaper Man läuft Pratchett zur Höchstform auf.

Kage Baker: Sky Coyote -- B+

Band 2 der Company-Serie. In Sky Coyote erfährt der Leser etwas über die Geschichte von Mendozas Mentor Joseph, die gleichzeitig tieferen Einblick in die Firma Dr. Zeus gewährt, deren Aktivitäten sehr viel weiter in die Vergangenheit zurückreichen, als man sich träumen ließ. Joseph ist einer ihrer ältesten Agenten, doch bei weitem nicht der Älteste. Er wurde selbst von einem Mitglied der ersten Generation von Agenten rekrutiert, die inzwischen jedoch samt und sonders wie vom Erdboden verschluckt zu sein scheinen.

In diesem Buch hat Joseph Aufgabe, ein ganzes Dorf von amerikanischen Ureinwohnern, den Chumash, vor der Invasion der Spanier zu retten. Niemand weiß so recht, warum Dr. Zeus ausgerechnet an diesen Leuten interessiert ist. Joseph muss sich in ihren Gott Sky Coyote verwandeln, eine ziemlich lästige Prozedur, die jedoch unerlässlich ist, um sie davon zu überzeugen, dass in höheren Gefilden ein besseres Leben auf sie, die Auserwählten, wartet.

Bakers humorvoller Stil und ihr Talent zum Geschichten erzählen machen auch den zweiten Band der Company-Serie zu einem Lesevergnügen.

Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz -- B

Diesen Kinderbuchklassiker habe ich vor mehr als zwanzig Jahren schon einmal im Original gelesen. Die Geschichte des kleinen Prinzen, der von seinem Planeten, wo er mit einer Blume wohnt, auf die Erde fällt, hat einen zeitlosen Charme, dem man sich nicht entziehen kann, auch wenn das Buch nicht zu meinen persönlichen Top Ten gehört.

George R. R. Martin: A Clash of Kings -- B-

Mit dem zweiten Band vom "Lied von Eis und Feuer" hatte ich meine Probleme, obwohl ich nicht konkret sagen kann, woran es lag. Möglicherweise an der Tatsache, dass die Handlung sich insgesamt zu sehr auf militärische Konfrontationen konzentrierte, obwohl die Beschreibung von Schlachten sich (glücklicherweise) in Grenzen hielt. Die Handlung beginnt genau dort, wo A Game of Thrones endet. Nach dem Tod von Robert Baratheon und Eddard Stark wird Robb Stark König des Nordens, während der dreizehnjährige Joffrey (der Sproß der inzestuösen Beziehung zwischen Königin Cersei und ihrem Zwilling Jaime Lannister) den Drachenthron besteigt. Tyrion Lannister tritt Ned Starks Nachfolge als rechte Hand des Königs an. Die Familie Stark ist in alle Winde verstreut: Eddards ältere Tochter Sansa befindet sich nach wie vor als Geisel in der Hand der Lannisters, während Arya, die jüngere, sich als Waisenjunge verkleidet nach Winterfell durchzuschlagen versucht. Bran und Rickon, die beiden jüngsten Stark-Söhne, sind in Winterfell geblieben, wo es für sie jedoch gefährlich wird, nachdem ein ehemaliger Freund der Familie, der sich als Verräter entpuppt, dort die Herrschaft an sich reißt. Eine der interessantesten Figuren, Danaerys, die Letzte des Hauses Targaryen, spielt in A Clash of Kings nur eine kleine Rolle, was sich in den nächsten Bänden hoffentlich wieder ändern wird. Obwohl Martins Figuren interessant und dreidimensional sind, hat das Buch Längen, sodass ich es immer wieder beiseite gelegt und zwischendurch etwas anderes gelesen habe. Da es sehr episodenhaft geschrieben ist und ohnehin weder einen richtigen Anfang noch ein richtiges Ende hat, war das allerdings kein größeres Problem.

Jonathan Weiner: Zeit, Liebe, Erinnerung - Auf der Suche nach den Ursprüngen des Verhaltens -- A

Jeder hat schon einmal von James Watson und Francis Crick gehört, den Entdeckern der DNS, Seymour Benzer ist dagegen kaum jemandem ein Begriff. Ich gestehe, dass ich noch nie von ihm gehört hatte, bevor ich dieses Buch gelesen habe, obwohl er bahnbrechende Arbeit auf dem Gebiet der Genforschung geleistet hat. In Zeit, Liebe, Erinnerung geht es um Fliegen, genauer gesagt um Drosophila, die Taufliege, das liebste Forschungsobjekt der Genforscher und damit um Benzers Lebenswerk. Genau wie in Der Schnabel des Finken schafft es der Autor, ein zunächst sehr trocken wirkendes Thema so aufzubereiten, dass eine wenn schon nicht spannende, so doch sehr anregende Lektüre daraus wird. Die Annahme, dass Verhalten nicht nur erlernt, sondern angeboren ist, war der Motor, der die Forschungen auf diesem Gebiet angetrieben hat. Doch hinter der Wissenschaft stehen Menschen, die dieses Stück Wissenschaftsgeschichte lebendig und interessant machen. Ein rundum befriedigendes Buch.

Robert A. Heinlein: Von Stern zu Stern -- B-

Nachdem meine erste Begegnung mit Heinlein mich nicht übermäßig beeindruckt hatte, hielt sich meine Lust, eines der beiden Bücher zu lesen, die ich von ihm noch im Regal hatte, in Grenzen. Von Stern zu Stern erzählt die Geschichte von Tom und Pat, ungleichen Zwillingen, deren telepathische Begabung ihnen die Teilnahme an einem mehrere Generationen währenden Raumfahrtprogramm ermöglicht. Pat, der immer der Stärkere von beiden war, soll zu fernen Welten fliegen, während Tom auf der Erde bleibt, um seine Berichte zu empfangen. Doch zur Überraschung von Tom kommt diesmal alles ganz anders. Die Geschichte wirkt zwar an manchen Stellen etwas antiquiert, wozu vermutlich auch die Übersetzung beiträgt, die laut Impressum überarbeitet wurde, aber nicht überall konsequent, ist aber recht unterhaltsam geschrieben. Heinleins Unfähigkeit, sich vorzustellen, dass Frauen in Zukunft vielleicht nicht mehr zwangsweise zu den Männern aufsehen werden, kommt aber auch in diesem Buch immer wieder durch. Sprich, man fliegt zwar mit Lichtgeschwindigkeit zu den Sternen, ist aber nach wie vor in der Macho-Mentalität der 50er Jahre verwurzelt. Heinleins Bücher mögen Klassiker sein, so ganz werde ich den Hype um diesen Autor aber wohl nie nachvollziehen können, zumal sie auch sprachlich nichts Besonderes zu bieten haben, schon gar nicht in deutscher Übersetzung.

Novelle:

Kage Baker: Son Observe the Time -- A

Noch eine Company-Geschichte, die 1906 unmittelbar vor dem großen Erdbeben in San Francisco spielt. Einige von Dr. Zeus' Agenten sind damit beschäftigt, diverse Kunstwerke und Kulturgüter vor dem Beben in Sicherheit zu bringen, andere sollen ein paar Kinder retten, die dazu ausersehen sind, Cyborgs zu werden. Diese Novelle dreht sich um Victor, eine Figur, die in Bakers Romanen bisher nur am Rande in Erscheinung getreten ist. Der Leser erfährt, dass auch Victor einer der älteren Agenten ist und genau wie Joseph von Budu rekrutiert wurde. Seine Geschichte weist einige interessante Details auf, die ihn von den anderen Agenten abheben und über die man gern mehr erfahren würde.

Abgebrochene Bücher:

Aaron Allston: Doc Sidhe

Nach gut der Hälfte habe ich beschlossen, dieses Buch doch nicht zu Ende zu lesen. Die Welt, die Allston erschafft und in der eine Rasse von Feen - die Sidhe - parallel zu unserer Welt herrscht und ebenfalls eine Art technische Zivilisation entwickelt hat, hat durchaus ihre Reize, der Autor verliert sich jedoch in Actionszenen und detailgenauen Beschreibungen von Prügeleien und Gewalt, was mich mindestens ebenso langweilt wie in allen Einzelheiten beschriebene Sexszenen. Etwas mehr Handlung und ein paar interessante Figuren brauche ich schon, um bei der Stange zu bleiben.

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Zuletzt aktualisiert am: Montag, 16. Mai 2005

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