Anna und der König

Ein Film von Andy Tennant

Mit Chow Yun-Fat, Jodie Foster, Ling Bai,
Tom Felton u. a.

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1862 kommt Anna Leonowens (Jodie Foster) mit ihrem Sohn Louis (Tom Felton) von Indien nach Siam. Sie soll die zahlreichen Kinder und Frauen von König Mongkut (Chow Yun-Fat) in Englisch unterrichten. Sie ist von dem charismatischen, gebildeten Herrscher ebenso überrascht und beeindruckt wie der von der energischen, unbeugsamen Engländerin. Zwischen den beiden entwickelt sich Respekt, Freundschaft und sogar mehr. Aber auch ihre unterschiedlichen Ansichten prallen immer wieder aufeinander.

Wenn ich "Anna und der König von Siam" höre, fallen mir immer zuerst Yul Brynner und sein "Et cetera" ein. Auch wenn es gegen Ende des Films eine kleine Anspielung darauf gibt, spielt Chow Yun-Fat den berühmten König Mongkut auf ganz andere Weise. Brynners Darstellung in der Fernsehserie zog die Figur immer ein wenig ins Lächerliche. Es schien, als hätte sich der Monarch sein umfangreiches Wissen über die westliche Zivilisation zwar angelesen, aber nie wirklich verstanden. Das gab Samantha Eggar dann die Gelegenheit, als Oberlehrerin zu glänzen und nicht nur die Kinder, sondern auch den allmächtigen Monarchen zu unterrichten.

Chow Yun-Fats König Mongkut hingegen besitzt mehr Würde. Wo Brynner cholerisch war, ist er temperamentvoll und zeigt viel Humor. Belehrungen durch die Gouvernante seiner Kinder hat er nicht nötig, und er prüft sehr genau, was er von den westlichen (sprich: englischen) Ideen übernehmen will und was nicht. Hoffentlich bekommt Chow Yun-Fat in Zukunft noch öfter Rollen, in denen er sein Talent als Charakterdarsteller zeigen kann.

Jodie Foster spielt die englische Lehrerin schön zugeknöpft und kühl und hat daher kaum eine Chance, neben ihrem charismatischen Co-Star einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Ihre Anna kommt nicht nur nach Siam, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sondern auch um die englische Art missionarisch zu verbreiten ("The ways of England are the ways of the world"). Auch wenn ihre imperialistische Einstellung mit der Zeit weniger starr wird, kann sie sie bis zum Schluss nicht ganz ablegen.

ANNA UND DER KÖNIG ist so prächtig ausgestattet, wie man es von einem fernöstlichen Märchen erwarten kann, ohne ganz auf die Schattenseiten des Paradieses zu verzichten. Allerdings gehen die wichtigen Handlungsstränge - Annas Rückkehr unter die Lebenden nach dem Tod ihres Mannes und Mongkuts Bemühungen, sein Land in die Moderne zu führen, ohne ihm seine Identität zu rauben - ziemlich in den prächtigen Kulissen und den Palastintrigen und Umsturzversuchen unter. Daraus hätte man mehr machen können, vielleicht sogar so viel, dass man endlich einmal auf die kitschige und unglaubwürdige Musical-Liebesgeschichte hätte verzichten können.

Die exotisch-schöne Landschaft, die Kostüme und die niedlich durcheinanderwuselnden Kinder sind weitere Gründe, sich den Film anzusehen. Auch wenn Historiker die Tagebücher von Anna Leonowens, auf denen das Drehbuch basiert, inzwischen zerpflückt und widerlegt haben, wird der Film immer noch als "wahre Geschichte" beworben, was ich ein bisschen schade finde. Wahr oder nicht, ANNA UND DER KÖNIG ist sehenswert. Da könnte man auch eingestehen, dass es sich um eine Hollywood-Phantasie handelt, die mit der Musical-Version von Rodgers und Hammerstein wesentlich mehr zu tun hat, als mit tatsächlichen Geschehnissen.

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Christina Gross

Informationen über Anna Leonowens, König Mongkut und die Entstehung des "Anna-Mythos" finden sich auf folgenden Seiten:

Die wirkliche Geschichte von Anna und Mongkut:

http://www.smithsonianmag.com/smithsonian/issues97/apr97/object_apr97.html

Wie aus dem Buch einer Gouvernante ein Erfolgsmusical wurde und was die thailändische Regierung dagegen hat:

http://www.ljworld.com/forum/messages-ku/125.html

Was haben Anna und Frankenstein miteinander zu tun? Das und mehr kann man hier nachlesen: The King and I: Fact or Fiction?

http://thaistudents.com/kingandi/owens.html


Zuletzt aktualisiert am: Mittwoch, 07. September 2005

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