Die Asche meiner Mutter

Ein Film von Alan Parker

Mit Emily Watson, Robert Carlyle, Joe Breen, Ciaran Owens, Michael Legge u. a.

Christinas Meinung:

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Da Amerika sich für sie nicht als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten erwies, kehrt die Familie McCourt der Freiheitsstatue den Rücken und fährt zurück nach Irland, wo sie wenigstens auf die Hilfe ihrer Verwandten bauen kann. Für seine Schwiegermutter (Ronnie Masterson) ist Malachy McCourt (Robert Carlyle) ein Tunichtgut, der nicht für seine Familie sorgt. Als nordirischer Protestant hat er es im streng katholischen Limerick nicht leicht, und wenn er mal einen Job hat, behält er ihn nicht lange und versäuft seinen Lohn sofort wieder. Die sechsköpfige Familie haust in bitterer Armut unter Bedingungen, die kaum menschenwürdig zu nennen sind. Mutter Angela (Emily Watson) hat Mühe, das Überleben ihrer Familie zu sichern. Sie ist es, die sich bei der Wohlfahrt von hartherzigen Beamten verspotten lässt, sich mit anderen Frauen nach den Essenresten der Priester drängt oder den unangenehmen Gang zur Geldverleiherin antritt, da ihr Mann für so etwas zu stolz ist. Der älteste Sohn Frank (zunächst Joe Breen, dann Ciaran Owens und schließlich Michael Legge), aus dessen Sicht die deprimierende Geschichte erzählt wird, hat sein Ziel klar vor Augen: nur weg aus Limerick, wo ein Junge wie er nie etwas werden kann, und zurück nach Amerika.

Gleich zu Beginn des Films versichert der Erzähler, dass es sich hier natürlich um die Geschichte einer unglücklichen Kindheit handele, da es nicht der Mühe wert sei, von einer glücklichen Kindheit zu erzählen. Nach über zwei Stunden hatte sich dann die Ansicht bestätigt, dass auch viel unglückliche Kindheiten nicht hätten erzählt werden müssen. Zumindest nicht so. Alan Parker lässt eine geballte Ladung Elend auf die Zuschauer herabregnen, im wahrsten Sinne des Wortes. Von wegen Irland, grüne Insel. Nicht dass ich nicht dankbar wäre, dass wenigstens dieses Klischee ausgelassen wurde. Die Mutter, die immer mit einem weinenden Baby im Arm am verlöschenden Feuer sitzt und sich darüber beklagt, dass nichts zu essen im Haus ist, der Vater, der mit jedem Penny schnurstracks in die nächste Kneipe läuft und den großen Mann markiert, die energische, fromme Großmutter, der kinderlose Drachen von Tante, der am Ende doch ein weiches Herz zeigt, fanatische Lehrer, bei denen der Schlagstock locker sitzt und Horden von Kindern, meist männlichen Geschlechts, die sich prügeln, sich ins Kino schleichen und noch andere Dinge unternehmen, die sie dann hinterher beichten müssen.

All das rauscht in einem wilden Kaleidoskop an einem vorbei, und nur selten macht Parker lange genug Halt, um mal ein wenig genauer hinzusehen. Das endet dann meist mit einem rührend-komischen Ausspruch aus der Abteilung Kindermund oder einer zynisch-bitteren Bemerkung von Angela, die aus ihrer Lethargie für einen Moment erwacht, um ihrem Mann zu sagen wie nutzlos er ist. Irgendwann zählt Frankie dann die Gründe auf, warum er seinen Vater trotzdem liebt. Die Stimme aus dem Off muss erklären, was der Film in Bildern nicht zeigt. Es ist leichter, für Angela Partei zu ergreifen, schließlich lässt Malachy sie und seine Familie jämmerlich im Stich, und sie ist noch weniger als er in der Lage, der Armut zu entkommen. Parker versäumt es aber, auf die besondere Beziehung zwischen Frank und seiner Mutter näher einzugehen.

Obwohl die Geschichte immerhin mehr als ein Jahrzehnt umspannt, ist das einzige Zeichen fortschreitenden Alters an Emily Watson, dass sie gegen Ende des Films ihr Haar in einem Knoten trägt, was nicht ganz angemessen erscheint, wenn man bedenkt, was Angela in dieser Zeit alles durchmacht. Auch wenn gelegentlich mal kein Essen im Haus war und die Babies reihenweise erfroren, war die Situation doch nie so verzweifelt, dass den Eltern McCourt die Zigaretten ausgegangen wären. Auch für kleine Dinge sollte man dankbar sein.

DIE ASCHE MEINER MUTTER ist ein gut gespieltes Rührstück, bei dem weitgehend auf Zuckerguss verzichtet wurde. Man kann es sich ansehen, muss aber dafür nicht unbedingt raus in den Regen.

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Christina Gross

Zuletzt aktualisiert am: Mittwoch, 07. September 2005

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