Baby Boom

Ein Film von Charles Shyer

Mit Diane Keaton, Sam Shepard, Harold Ramis, James Spader

Christinas Meinung:
KatzeKatze

Die Karrierefrau J. C. Wiatt (Diane Keaton) ist auf dem Weg nach oben. Da fällt ihr plötzlich die kleine Elizabeth in den Schoß, eine Waise, um die sie sich kümmern muß. Für J. C. ist klar: ein Baby paßt nicht in ihren dichtgedrängten Terminkalender. Aber bis sie die Adoption in die Wege geleitet hat, hat sie sich schon so an die Kleine gewöhnt, daß sie sie nicht mehr hergeben will. Daraufhin verabschiedet sich ihr Lebensgefährte Stephen (Harold Ramis). J. C. muß einsehen, daß sie Kindererziehung und den Beruf der Top-Managerin nicht unter einen Hut bringen kann. Also zieht sie mit Kind und wirren Ideen von New York nach Vermont und hat erst einmal einen harten Zusammenprall mit den Realitäten des Landlebens.

J. C. Wiatt ist die Verkörperung sämtlicher Klischees über Karrierefrauen: ein Workaholic mit kaum vorhandenem Privatleben, verzweifelt darum bemüht, genauso zu sein wie ihre männlichen Kollegen, dazu hoch neurotisch und wild entschlossen, ihre Karriere über alles - sprich: über das Mutterwerden - zu stellen, wie sie ihrem Boss versichert. Folgerichtig wird sie auch nicht auf herkömmliche Weise Mutter, sondern erbt das Kind von einem entfernten Verwandten.

'Baby Boom' stellt allerdings eine wohltuende Ausnahme von den üblichen Karrierefrau-Filmen dar. Hier geht es nicht um ein karrieregeiles Mannweib, daß durch die Mutterschaft auf wundersame Weise wieder zum weiblichen Wesen wird und an den Herd zurückkehrt. Vielmehr merkt J. C. zwar durch die kleine Elizabeth, daß das Leben nicht nur aus Marketing, Aktien und Vorstandssitzungen besteht, aber nachdem sie ein ehrgeiziger Kollege (James Spader) in der Firma ausgebootet hat, sieht sie nicht etwa im Mutterglück ihre einzige Lebensaufgabe und sucht sich schleunigst einen Mann, sondern berappelt sich wieder und zieht ihre eigene Firma auf, die sie auf ihre eigene Weise managt - mit Laufstall im Chefbüro. Emanzipation ist eben doch mehr, als es einfach nur den Kerls nachzumachen.

Bis diese Erkenntnis sich durchgesetzt hat, kann man sich köstlich darüber amüsieren, wie Diane Keaton herumzickt und hysterische Anfälle bekommt. Der Witz ist meist von der angestaubten Sorte. Zwei Menschen mit Universitätsabschluß sind unfähig, eine simple Plastikwindel anzulegen und versuchen, ein Baby mit Spaghetti zu füttern statt mit Brei. Eine Werbefachfrau, die Millionenetats jongliert, kauft ein Haus, das sie nie gesehen hat, und kommt mit ihren Finanzen nicht klar. Und dergleichen mehr. Aber ein alter Witz, von einem Profi erzählt, kann immer noch saukomisch sein.

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Christina Gross

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Zuletzt geändert: 07. September 2005