Der Campus

Ein Film von Sönke Wortmann

Mit Heiner Lauterbach, Sandra Speichert, Axel Milberg, Barbara Rudnik u.a.

Christinas Meinung:
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Sexuelle Nötigung - dieser Vorwurf beendet die gerade erst richtig beginnende glanzvolle Karriere von Professor Hanno Hackmann (Heiner Lauterbach). Dabei ist ihm eigentlich nur vorzuwerfen, daß er seine Hose nicht anbehalten konnte. Es ist auch kein intrigantes Biest, das aus kleinlichen Motiven mit dem Finger auf ihn zeigt. Eine dumme Bemerkung hat den Verdacht in die Welt gesetzt. Und schon sind Dinge ins Rollen gekommen, die nicht mehr gestoppt werden können. Dabei kocht jeder sein eigenes Süppchen: der Universitätspräsident Schacht (Rudolf Kowalski), der den lästigen Konkurrenten Hackmann loswerden will, die Frauenbeauftragte Dr. Wagner (Barbara Rudnik), die sich in einen feministischen Amoklauf stürzt, der Schmalspurprofessor Bernie Weskamp (Axel Milberg), der endlich eine Chance sieht, aus seinem fensterlosen Kellerbüro ins Präsidium der Universität aufzusteigen, und nicht zuletzt die Medien, die mal wieder ihr Bestes tun, um die Situation anzuheizen. Am Ende hat sich Hackmann auf die wahren Werte besonnen und ist ausgestiegen, während alle anderen weitermachen wie bisher.

Der Hamburger Professor Dietrich Schwanitz, auf dessen Roman der Film basiert und der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat, hat zum Rundumschlag ausgeholt, und jeder kriegt sein Fett weg. Es war recht ungewohnt, in einer deutschen Kinokomödie so viele lange und grammatikalisch korrekte Sätze zu hören, und ausnahmsweise waren "cool" und "happy" mal nicht die einzigen Fremdwörter, die die Akteure gebrauchen durften.

Leider konnte Wortmann sich nicht so recht zwischen Komödie und Drama entscheiden. Das Beste am Film waren die Herren Professoren, die mit feiner Ironie ihre Intrigen spinnen. Von Zeit zu Zeit erschöpfte sich der Humor allerdings in flachen Witzchen. Die Frauenbeauftragte durfte sich nicht selbst auf die Schippe nehmen. Schwer zu sagen, ob das beabsichtigt war oder einfach nur an der hölzernen Barbara Rudnik lag. Sibylle Canonica gab Hackmanns Ehefrau, als ob sie direkt aus der Laienspielgruppe käme. Beide zusammen waren allerdings nicht halb so schlimm wie die dralle bayerische Maid mit den blonden Zöpfen, deren Funktion in diesem Film mir immer noch nicht ganz klar ist. Die einzigen Frauen im Film, die nicht nervten, waren Maren Kroymann als Schauspiellehrerin und Sandra Speichert als angebliches Vergewaltigungsopfer.

Stellenweise war der Film ziemlich unüberschaubar. Die Verbindung zwischen dem Herausgeber der Schundpostille und der Universität und die Bedeutung der geheimnisvollen Tagebücher blieben im Dunkeln.

Auch wenn er gegen Ende ein wenig zu melodramatisch und klischeeüberladen wurde, war das ein recht unterhaltsamer Film, der sich wohltuend von dem deutschen Komödieneinerlei abgehoben hat.

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Christina Gross

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Zuletzt geändert: 07. September 2005