Contact

Ein Film von Robert Zemeckis

Mit Jodie Foster, Matthew McConaughey, Tom Skerrit, Angela Basset, John Hurt, James Woods

Christinas Meinung:
KatzeKatzeKatze

Außerirdische nehmen Kontakt zu uns auf. Ein altes Thema, mal etwas anders. Hier gleitet kein riesiges Raumschiff dröhnend durch das Vakuum des Raums. Hier hat man die Sache nicht einfach den Special Effects-Künstlern übergeben. Die Aliens sind hier nur Randfiguren. Die Bedrohung geht nicht von schleimigen Kreaturen aus dem All aus, sondern von Bürokraten, Militärs und selbsternannten religiösen Führern - viel gruseliger, weil realistischer.

Dr. Ellie Arroway (Jodie Foster) ist fest überzeugt, daß es irgendwo im Universum noch intelligentes Leben gibt, und um es zu finden läßt sie eine wissentschaftliche Karriere sausen und setzt sich mit einem Häufchen Gleichgesinnter in die Wüste von New Mexico. Eines Nachts ist sie tatsächlich erfolgreich, und sofort brechen die Regierungsbeamten und UFO-Fans in Schwärmen über sie herein.

Die Aliens haben eine Bauanleitung zur Erde geschickt. Der paranoide Sicherheitsberater Michael Kitz (James Woods) will das Ding - was immer es sein mag - nicht bauen. Arroways Ex-Boss David Drumlin (Tom Skerritt) will vor allem die Lorbeeren ernten. Priester Palmer Joss (Matthew McConnaughey) möchte den Aliens Gott nahebringen, oder vielleicht doch einfach nur verhindern, daß Arroway, die er nach einer Nacht im Heu natürlich nie vergessen konnte, nicht ihr Leben riskiert beim Kontakt mit den Aliens?

Bevor sie einen Blick auf die Aliens werfen dürfen, müssen Arroway und die Zuschauer sich durch die irdische Bürokratie wühlen. Langatmig wird der Gegensatz von Wissenschaft und Religion diskutiert und die Frage, ob man den ersten Kontakt mit einer anderen Spezies jemandem überlassen darf, der nicht an Gott glaubt. Nicht ohne Grund wirbelte der unauthorisierte Nutzen von Bildmaterial von Präsident Clinton mehr Staub auf als der ganze Film. Aber man kann auch genießen, wie die Verlogenheit der political correctness entlarvt wird.

Am Ende ist es Arroway dann doch, die das Transportgerät benutzen darf. Die Aliens bedienen sich - Überraschung - Bilder aus ihrem Gedächtnis, um mit ihr zu kommunizieren. Also findet Arroway sich in einer Strandlandschaft wieder, die sie als Kind gemalt hat, und unterhält sich mit einem Mann, der wie ihr früh verstorbener Vater aussieht.

Zemeckis hat sicher kein Jahrhundertwerk geschaffen, aber einen Science-Fiction-Film, der sich wohltuend von den üblichen Peng-Bumm-Spektakeln abhebt. Vielleicht kommt mal jemand anders auf die Idee, daß Mädchen auch ohne Kindheitstrauma zu zielstrebigen Wissenschaftlerinnen heranwachsen können. Vielleicht ist die Menschheit auch irgendwann einmal bereit, Außerirdischen gegenüberzutreten, die sich nicht als Väter oder sonst etwas verkleiden müssen.

Wir werden sehen.

Monikas Meinung:

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Ellie Arroway (Jodie Foster) zeigt schon als Kind eine ausgeprägte Neigung für Naturwissenschaften, die von ihrem Vater bis zu dessen frühem Tod auch gefördert wird. Ihre besondere Vorliebe gilt der Astronomie, und dabei der Suche nach intelligentem Leben auf fremden Planeten. Nach der Promotion am MIT findet sie eine Anstellung beim SETI-Institut in New Mexico. Eines Tages, als man ihr wegen jahrelanger vergeblicher Forschungsarbeit die Gelder für weitere Projekte entziehen will, geschieht das Unglaubliche: Es werden Signale empfangen, die vom 26 Lichtjahre entfernten Stern Wega kommen. Nach dem ersten Schrecken über die Natur der Nachricht (eine TV-Übertragung der Eröffnung der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1936 in Berlin) werden verschlüsselte Informationen entdeckt, die die Bauanleitung für eine geheimnisvolle Maschine enthalten. Trotz des Widerstands derer, die darin eine teuflische Maschinerie zur Vernichtung der Menschheit vermuten, wird sie von den Vereinigten Staaten gebaut. Beim ersten Testlauf kommt es dann tatsächlich zur Katastrophe, wenn auch auf etwas andere Art, als die meisten befürchtet hatten. Das Projekt scheint beendet, doch auf Ellie wartet noch eine Überraschung.

In CONTACT präsentiert sich Jodie Foster in einer ihrer besten Rollen, der zielstrebigen Wissenschaftlerin Dr. Ellie Arroway, die sich auf einem Gebiet behaupten muß, das traditionell eine Männerwelt ist. Ärgerlich ist dabei lediglich, daß sie es aufgrund eines Kindheitstraumas tut - sie hat den Verlust des über alles geliebten Vaters nie verwinden können. Hollywood hat offensichtlich immer noch Probleme damit, eine starke Frauengestalt zuzulassen, die sich einfach nur so "normal" benimmt, wie man es von einem Mann ganz selbstverständlich erwarten würde. Das drückt sich auch darin aus, daß die anscheinend an weltlichen Dingen recht wenig interessierte Ellie vor einer Presseveranstaltung, bei der sie der Öffentlichkeit über ihre Forschungsergebnisse berichten soll, plötzlich nur noch einen Gedanken hat, nämlich wo sie ein besonders attraktives, ausgefallenes Kleid herbekommen könnte. In einem Film wie CONTACT, der sich wohltuend abhebt von den Science-Fiction-Filmen, die man aus der Traumfabrik im allgemeinen gewöhnt ist, springt dieser Punkt besonders krass ins Auge.

Robert Zemeckis Film hält sich erstaunlich dicht an Carl Sagans Romanvorlage, was zur Folge hat, daß auch die von Sagan immer wieder angesprochene Problematik 'Glaube kontra Wissenschaft' einfließt. So zieht der Bau der 'Maschine' ein ganzes Sammelsurium von religiösen Fanatikern an, die das Ende der Welt predigen. Die kurz bevorstehende Jahrtausendwende ruft in vielen Menschen Angstgefühle vor dem jüngsten Gericht hervor, die in unserer modernen Gesellschaft kaum weniger vorhanden sind als im mittelalterlichen Europa vor 1000 Jahren. Nicht weniger beschäftigt die Menschen die Frage nach der Existenz Gottes, oder ob es richtig ist, Wissenschaftler zu einem fremden Stern zu schicken, obwohl sie nicht an Gott glauben. Die Kirche ist in Gestalt von 'Pater' Palmer Joss (Matthew McConaughey) vertreten, einem ehemaligen Priester, der zwar das Priesterseminar aus persönlichen Gründen nicht beendet hat, der aber trotzdem als überzeugter Vertreter des katholischen Glaubens auftritt. Zwischen ihm und Elli entspinnt sich die obligatorische Liebesgeschichte, die in einem Hollywood-Film offenbar niemals fehlen darf, obwohl sie in diesem Fall dem Film eher schadet als nützt, da sie im Grunde völlig überflüssig ist und nichts Wesentliches zur Handlung beiträgt.

Sieht man einmal von diesen Vorbehalten ab, so ist CONTACT wohl einer der sehenswertesten Filme in diesem Jahr und besticht vor allem durch eine ruhige, aber trotzdem nicht langweilige Erzählweise sowie durch eine Flut von phantastischen Bildern. Die Special Effects sind nicht einfach nur Selbstzweck, sondern haben im Rahmen der Handlung ihre Daseinsberechtigung. Sie verleihen dem Film eine visuelle Ästhetik, wie sie in diesem Genre ihresgleichen sucht. So wird der Zuschauer z.B. gleich zu Beginn auf eine Reise durch das äußere Sonnensystem bis zum Zentrum der Milchstraße mitgenommen, deren Bedeutung erst im weiteren Verlauf des Films klar wird. Manchem mögen die ca. 2 1/2 Stunden Laufzeit von CONTACT übertrieben lang erscheinen, sie geben der Geschichte jedoch die nötige Zeit, sich zu entwickeln. Die Besetzung der Hauptrollen ist durchweg gelungen, und der Auftritt von diversen, bekannten Persönlichkeiten aus der amerikanischen TV-Landschaft macht das Geschehen für den Zuschauer nur umso realer. Wer also nicht unbedingt ein Action-Spektakel mit vielen Explosionen, Schießereien, Raumschiffen und Verfolgungsjagden sehen will, der sollte diesen Film auf keinen Fall verpassen.


Links:

Unsere Kritik von Carl Sagans Roman findet Ihr in unserer Leseecke.

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Zuletzt geändert: 07. September 2005