Cookie's Fortune

Ein Film von Robert Altman

Mit Glenn Close, Julianne Moore, Liv Tyler, Patricia Neal, Charles Dutton u.a.

Christinas Meinung:

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Jewell May "Cookie" Orcutt (Patricia Neal) lebt in der Kleinstadt Holly Springs. Sie vermisst ihren verstorbenen Mann Buck und beschließt eines Tages, ihrem Leben ein Ende zu bereiten. Ihre Nichte Camille (Glenn Close) findet sie mit der Pistole noch in der Hand. Aber sie will auf keinen Fall, dass der Selbstmord ihrer Tante bekannt wird, denn schließlich begehen nur Wahnsinnige Selbstmord. Sie schlägt eine Scheibe an der Hintertür ein, stopft sich ein paar Schmuckstücke und die Waffe in die Handtasche und schärft ihrer leicht zurückgebliebenen Schwester Cora (Julianne Moore) ein, Tante Jewell May sei von einem Einbrecher erschossen worden. Dummerweise hat aber die Polizei nun bald den Schwarzen Willis Richland in Verdacht, der schon seit Jahren für die Familie arbeitet und Cookies bester Freund war. Seine Fingerabdrücke waren auf der Waffe, weil er sie noch in der Nacht zuvor gereinigt hatte. Sheriff Lester Boyle (Ned Beatty) ist von seiner Unschuld überzeugt, denn schließlich geht er mit dem Mann angeln. Trotzdem muss er ihn verhaften. Aber Willis hat es im Knast ganz gemütlich. Er spielt mit dem Sheriff und seinem Anwalt Jack Palmer (Donald Moffat) Scrabble, und Cookies Enkelin Emma (Liv Tyler), das schwarze Schaf der Familie, hat sich ebenfalls bei ihm in der Zelle einquartiert.

Der angebliche Mordfall schafft es nicht, das beschauliche Leben in Holly Springs wesentlich aus der Bahn zu werfen. Camille zieht mit Cora schon mal in Cookies großes Haus ein, weil sie es ja sowieso mal erben wird und weil der trottelige Jungpolizist Jason Brown (Chris O’Donnell) zu blöd ist, um sie am Betreten des immer noch abgesperrten Tatorts zu hindern. Camille inszeniert auch unverdrossen weiter mit der örtlichen Theatergruppe Oscar Wildes Salomé. Sie hat das Stück allerdings so stark umgeschrieben, dass sie meint, ihren Namen mit Fug und Recht unter den des Autors auf das Plakat setzen zu können. Emma und Jason ziehen sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit zurück um zu kopulieren. Emmas Boss Manny (Lyle Lovett), ein Fischhändler, macht sich ebenfalls Hoffnungen und richtet für sie einen alten Eisenbahnwagen als Wohnung ein. Unterdessen versucht der Kriminalbeamte Otis Tucker (Courtney B. Vance) aus Batesville, Willis’ Aktivitäten zur angeblichen Tatzeit nachzuvollziehen und kommt dabei zu seltsamen Erkenntnissen, aber die Untersuchung scheint wirklich nicht so wichtig zu sein.

Natürlich wird am Ende doch noch alles gut, und es kommt auch noch zu einer überraschenden Enthüllung, aber dieser Film ist so durchdrungen von der Mentalität des Südens, dass er den Zuschauer nie vor Überraschung aus dem Stuhl springen lässt. Man lehnt sich entspannt zurück, als hätte man einen Fächer in der Hand und ein Glas Eistee neben sich, und betrachtet amüsiert und abgeklärt die skurrilen Gestalten, die sich da auf der Leinwand tummeln. Close und Moore glänzen als seltsames Schwesternpaar. Das Schöne an dem Film ist aber gerade, dass nicht nur die beiden Stars herausragend sind, sondern ihre Leistung auf dem soliden Fundament einer phantasievollen Geschichte und einer exzellenten Riege von Nebendarstellern steht. Eigentlich ist die ganze Stadt die Heldin des Films, gelegentlich im wahrsten Sinne des Wortes, denn Holly Springs ist ein wirklich existierender Ort. Hervorzuheben wären besonders Lyle Lovett in seiner Paraderolle als wortkarger Sonderling, Matt Malloy als Experte Eddie von der Spurensicherung, der allen furchtbar auf die Nerven geht, der stoische Ned Beatty, Donald Moffat, der auch in seinem biblischen Kostüm eine sehr gute Figur macht, und Niecy Nash als Polizistin Wanda, die über der Lust nach dem Kriminalbeamten Tucker beinahe ihre Pflichten vergisst. Und natürlich Patricia Neal und Charles S. Dutton als liebenswert verschrobenes Paar, das zusammen alt geworden ist. Liv Tyler hätte sich in der Frauentroika, um die der Film kreist, etwas besser machen können. Mit ihren großartigen Kolleginnen kann sie nicht mithalten. Ich hatte auch das Gefühl, dass ein Teil von Emmas Geschichte sang- und klanglos unter den Tisch gefallen ist.

Ein Lob gebührt Dona Granata für ihre Kostüme, besonders für Close’s Aufmachung als Diva der 20er Jahre, als die Geschichte ihren dramatischen Höhepunkt erreicht.

Altman hat all diese Elemente zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt, unterlegt von Bluesmusik, für die Dave Stewart (Eurythmics) verantwortlich zeichnet.

Dieses Meisterwerk wird sicher mal den Weg in meine Videosammlung finden.

Monikas Meinung:

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Eine tote Tante, deren peinlichen Selbstmord man vertuschen will, eine bigotte und eine etwas unterbelichtete Nichte, eine kesse Großnichte, ein versehentlich des Mordes verdächtigter Familienanhang und jede Menge tote Fische - das sind die Zutaten zu Robert Altmans neuestem, höchst vergnüglichen Film.

Die Kleinstadtidylle von Holly Springs in den Südstaaten wird jäh durch ein unvorhersehbares Ereignis erschüttert: Die in ihrem großen Haus allein lebende alte Dame Jewel Mae Orcutt, genannt Cookie (Patricia Neal), findet es an der Zeit, endlich ihrem verblichenen Gatten zu folgen. Sie ist es leid, darauf zu warten, daß sie endlich stirbt und beschließt, mit einem der Revolver aus dem Schrank ihres Mannes nachzuhelfen. Gedacht, getan, pustet sie ihr Gehirn an die Wand, da hilft auch das Kissen nicht, das sie sich vorsichtshalber auf's Gesicht drückt. In diesem Zustand findet sie ihre bigotte Nichte Camille (Glenn Close), die eigentlich nur die Obstsalatschüssel ihrer Mutter zurückfordern will, die sie für ihr großes Osteressen braucht. Es ist nicht schwer zu erraten, daß es an diesem Osterfest mangels eines geeigneten Gefäßes nun doch keinen Obstsalat geben wird. Unglücklicherweise kommt nun auch noch Cora (Julianne Moore), ihre etwas unterbelichtete Schwester dazu, und die beiden beschließen, den Selbstmord als Raubmord zu tarnen. So nehmen die Ereignisse ihren Lauf...

Ein wenig schwarzen Humor sollte man schon mitbringen, wenn man sich COOKIE'S FORTUNE ansieht. Robert Altmans bizarre Einfälle reizen dazu, an den scheinbar unpassendsten Stellen zu lachen. Wem SHORT CUTS gefallen hat, der wird auch diesen Film mögen. Glenn Close ist zwar nicht ganz so überzeugend wie in ihrer Rolle als arrogante Präsidentengattin in MARS ATTACKS!, aber dennoch sehenswert. Eine reife Leistung liefert Julianne Moore ab, sie spielt die dümmliche Landpomeranze mit einer Überzeungskraft, die so manchen Zuschauer in Staunen versetzen wird, vor allem, wenn er sie in anderen Rollen wie z.B. in THE BIG LEBOWSKI gesehen hat. Neben diesen beiden wirkt Liv Tyler in ihrer Rolle als resolute Großnichte eher etwas farblos, ihren "großen Auftritt" hat sie sowieso erst zum Schluß, vorher scheint sie eher für die offensichtlich unvermeidliche Liebesgeschichte zuständig zu sein, die nicht fehlen darf. Falls man in diesem Fall überhaupt von einer "Liebesgeschichte" sprechen kann, eine Nebenhandlung, die zwar nicht stört, aber auch nicht unbedingt viel zum Fortgang der Geschichte beiträgt. Patricia Neal, die verschrobene Cookie, verschwindet leider allzu schnell von der Bildfläche. Vorher gibt sie jedoch noch eine der erheiternsten Leichen der letzten Jahre ab.

Besonders wichtig scheinen die Fische zu sein, da alles in Holly Springs sich darum dreht, wann und wie man Catfisch fängt,zubereitet und ißt. Die Fische schaffen - auch wenn sie längst tot sind - eine besondere Atmosphäre, sie sind Angelpunkt und Sinnbild für die - jäh unterbrochene - Beschaulichkeit und Ruhe, die normalerweise hier herrscht. Ein herrlich komisches Sittengemälde für die Liebhaber von bizarrem Humor, ein Film, der es beim allgemeinen Publikum leider eher schwer haben wird.

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Monika Hübner
Christina Gross

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Zuletzt geändert: 07. September 2005