EdTV

Ein Film von Ron Howard

Mit Matthew McConaughey, Woody Harrelson, Jenna Elfman, Rob Reiner, Ellen DeGeneres u. a.

Christinas Meinung:

KatzeKatze

Früher wurden Menschen berühmt, weil sie besonders waren. Heute sind sie besonders, weil sie berühmt sind. Unter diesem Motto kommt ein weiterer Film über die manipulative Macht der Medien in die Kinos. Um die dümpelnden Einschaltquoten ihres Senders zu steigern, kommt Programmdirektorin Cynthia (Ellen DeGeneres) auf eine geniale Idee: Ein ganz normaler Durchschnittstyp soll sechzehn Stunden am Tag von Kameras begleitet werden. Senderchef Whittaker (Rob Reiner) ist zunächst skeptisch, aber nachdem Cynthia ihren Wunschkandidaten Ed (Matthew McConaughey) durch Casting in einer Kneipe gefunden hat, kann sie ihren Boss von der Sache überzeugen. Ed hatte seine Zweifel, ob er sich wirklich darauf einlassen sollte, aber sein Bruder Ray (Woody Harrelson), der am liebsten selbst ins Fernsehen gekommen wäre, hält das Angebot für seine große Chance. Von nun an gehen zwei Kameraleute und ein Toningenieur überall hin wo auch Ed hingeht. Wenig überraschend genießt Ed zwar zu Anfang seine Popularität, die die Erwartungen aller weit übersteigt, aber dann geht ihm der Rummel auf die Nerven. Plötzlich wird die schmutzige Wäsche seiner Familie in aller Öffentlichkeit gewaschen, und die Zuschauer wollen sogar über Eds Liebesleben entscheiden. Aber als Ed die Sache beenden will, stellt er fest, dass er in einem Knebelvertrag steckt.

EdTV erinnert in vielem an die TRUMAN SHOW. Nur lebt der Held hier nicht in einer künstlichen, wohlgeordneten Mittelstandswelt, sondern im realen San Francisco. Ed ist nicht besonders erfolgreich. Er ist nie auf dem College gewesen, sondern bei einem Hilfsjob in der Videothek hängengeblieben. Nach seinem Traum gefragt, fällt ihm zunächst gar nichts ein. Später wird Shari (Jenna Elfman), die Ex-Freundin seines Bruders, sein Traum. Aber sie ist eine der wenigen, die nicht willens ist, die omnipräsenten Kameras zu tolerieren. EdTV ähnelt der TRUMAN SHOW insofern, als die Geschichte meistens durch die Fernsehshow erzählt wird. Howard lässt ebenfalls Zuschauer und Fernsehdiskussionsrunden, das Geschehen kommentieren, aber letztere werden nicht besonders gekonnt eingesetzt, und Auftritte von RuPaul und Jay Leno reißen es auch nicht raus. Der große Showdown zwischen dem Fernsehboss Whittaker und seinem Opfer Ed ist eher grotesk komisch, und es fehlt die mystische Komponente der letzten Auseinandersetzung von Christoph und Truman.

Leider bleibt EdTV oberflächlich. Anstatt Ed und seine Familie zu dreidimensionalen Charakteren werden zu lassen, begnügt Howard sich zu oft mit dem billigen Lacher, den das Gewusel der Kameracrew an ungewöhnlichen Orten bringt. Kritische Töne werden immer nur kurz angerissen. Die Romanze zwischen Ed und Shari wird immer schmalziger und gipfelt schließlich in einem Ausbruch von Amateurpsychologie. Eds Familie ist hochkarätig besetzt. Neben Harrelson glänzen auch noch Sally Kirkland als Eds Mutter Jeanette, Martin Landau als sein Stiefvater Al und Dennis Hopper als Vater Hank. Auch dass die Hauptfiguren mal nicht die üblichen Saubermänner und -frauen sind, fällt positiv auf. Leute, die sich mehr schlecht als recht durchs Leben wurschteln und sich zum Abendessen eine tüchtige Ladung Cholesterin reinschieben, sind nicht eben häufig die Helden von Hollywood-Filmen.

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Christina Gross

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Zuletzt geändert: 07. September 2005