Elizabeth

Ein Film von Shekhar Kapur

Mit Cate Blanchett, Geoffrey Rush, Fanny Ardant, Joseph Fiennes u. a.

Christinas Meinung:
KatzeKatzeKatze

England im 16. Jahrhundert. Maria I. ist Königin. Die Anhänger der neuen Church of England, die Heinrich VIII. gestiftet hatte, müssen sich versteckt halten oder im Exil leben. Am Hofe der Königin hat der Herzog von Norfolk (Christopher Eccleston) die Zügel fest in der Hand. Aber ein Ende der katholischen Herrschaft ist schon abzusehen. Maria hat keinen Erben und kann sich nicht entschließen, ihre protestantische Halbschwester Elizabeth als Ketzerin hinrichten zu lassen.

Als Elizabeth nach dem Tod Marias den englischen Thron besteigt, wird ihr Königreich von allen Seiten bedroht. Ihr erster Minister Sir William Cecil (Richard Attenborough) drängt sie zur Heirat mit dem König von Spanien oder dem Herzog von Anjou, dem Bruder des französischen Königs. Elizabeth kann sich allerdings zu einer Pflichtehe nicht entschließen. Als abschreckendes Beispiel hat sie die Ehe ihrer Halbschwester mit dem König von Spanien vor Augen. Der hat Elizabeth schon einen Antrag machen lassen, als Maria noch unter den Lebenden weilte. Und ihren Geliebten Robert Dudley (Joseph Fiennes) kann sie nicht heiraten, da der schon eine Frau hat.

Cate Blanchett liefert ein exzellentes Portrait der jungen Elizabeth, die sich in einer scheinbar ausweglosen Situation wiederfindet, sich allen Versuchen entzieht, sich als politische Schachfigur mißbrauchen zu lassen und sich schließlich selbst neu erschafft - als jungfräuliche Königin, als Ikone, die ihrem Volk die Jungfrau Maria ersetzt. Sie zeigt Elizabeth zaudernd und ängstlich angesichts der schwierigen Entscheidungen, die ihr Amt ihr aufbürdet und angesichts der Anschläge auf ihre Person, aber auch übermütig, als sie entgegen jedem Protokoll mit ihrem Geliebten vor versammelten Hofstaat eine skandalöse Volta tanzt oder den französischen Heiratskandidaten bloßstellt, der sich in Frauenkleidern über sie lustig macht.

Regisseur Kapur zeigt den krassen Gegensatz der ländlichen Idylle, in der Elizabeth als Prinzessin lebt und der düsteren Welt des englischen Königshofes. Er macht dadurch deutlich, was Elizabeth aufgeben mußte: eine zwar nicht sichere, aber relativ unbeschwerte Existenz. Aber sie fügt sich nicht ohne Widerstand. Ihr Aufbegehren wird symbolisiert durch die höfischen Tänze: sie wählt sich ihre Partner selbst und verhält sich viel zu aufreizend für eine Königin.

Ihre "Machtübernahme" wird unterstützt durch Lord Walsingham (Geoffrey Rush). Nach dem sanften Verrückten in SHINE spielt Rush hier den ebenso undurchsichtigen wie unbarmherzigen Häscher der Königin, der sie ermutigt, hart gegen ihre Feinde vorzugehen.

Elizabeth gibt die Kontrolle, als sie sie einmal hat, nicht wieder aus der Hand. So verschont sie gegen den Rat Walsinghams ihren Liebhaber Dudley, als dieser mit den Spaniern paktiert. Ihren ersten Berater Cecil schickt sie freundlich, aber bestimmt in den Ruhestand. Und dann ist sie bereit, England in sein Goldenes Zeitalter zu führen.

Shekhar Kapur hat ein komplexes Portrait einer faszinierenden Figur der Geschichte geschaffen. Der Film lohnt mehrfaches Ansehen.

E-mail
Kommentare? Anregungen?
Schreibt uns:

Christina Gross

HomeFilmkritikenBuchkritiken
GastkritikenBewertungsschemaÜber Christina
Über MonikaLinksMonika's Creatures

Copyright 1998 Christina Gross & Monika Hübner
Zuletzt geändert: 07. September 2005