Gattaca

Ein Film von Andrew Nicol

Mit Ethan Hawke, Uma Thurman, Jude Law u.a.

Monikas Meinung:

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Fortschritt um jeden Preis - nicht immer erweisen sich die Errungenschaften der Wissenschaft auf Dauer als segensreich für die Menschheit. Und dabei scheint es doch so verlockend zu sein, ein Kind "nach Maß" zu zeugen, anstatt diesen so wichtigen Vorgang dem Zufall bzw. der Natur zu überlassen. Es ist wirklich eine schöne neue Welt, die uns in GATTACA präsentiert wird, eine Welt, in der es keine Erbkrankheiten mehr gibt, in der man aber auch zum Scheitern verurteilt ist, wenn man nicht den strengen neuen genetischen Maßstäben genügt. So wie in früheren Zeiten Leprakranke als Aussätzige bezeichnet und aus der Gesellschaft ausgestoßen wurden, gibt es nun eine neue Form von Aussatz, die ähnliche Folgen nach sich zieht, nämlich ein "Gotteskind" zu sein, das auf natürlichem Wege empfangen wurde und daher als "Invalide" abgestempelt wird.

Vincent (Ethan Hawke) ist so ein Fall. Seinen Eltern werden schon bei seiner Geburt seine genetischen Dispositionen mitgeteilt, die ihn nur zum Versager machen können. Bei ihrem zweiten Sohn überlassen sie es dann nicht mehr dem Zufall, und sie scheinen zunächst recht zu behalten mit dieser Entscheidung. Vincent hat jedoch einen Traum, für den er bereit ist, alles zu opfern: Er möchte Astronaut werden. Auch die Tatsache, daß nur die genetische Elite Aussicht auf einen solchen Traumberuf hat, kann ihn nicht davon abbringen. So kommt er zunächst in einer Putzkolonne in das Raumfahrtzentrum Gattaca, wo sich ihm jedoch bald eine Möglichkeit bietet, seinem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen. Der nach einem Selbstmordversuch gelähmte Jerome (Jude Law) überläßt ihm seine Identität, und als Jerome macht Vincent sich nun daran, seinen Traum zu verwirklichen...

Es ist eine beunruhigende Zukunftsvision, die uns dieser Film präsentiert. Wie lange wird es noch dauern, bis die Gene das Leben eines Menschen in ganz neuer Weise als bisher bestimmen werden, nämlich dadurch, daß z.B. Firmen sich ihre Mitarbeiter anhand ihres genetischen "Fingerabdrucks" aussuchen werden? Nicht mehr die geistigen Fähigkeiten eines Menschen allein entscheiden darüber, ob er einen Job bekommt oder nicht, sondern auch, ob z.B. die Wahrscheinlichkeit besteht, daß er später einmal Krebs bekommt oder ein Herzleiden. Noch niemals hat es eine Gesellschaft gegeben, in der alle Menschen von Geburt an gleich waren, an die Stelle des Adels von einst ist in Gattaca jedoch eine genetische Elite getreten, künstlich in der Retorte gezeugt. Eine schlimmere Vision als George Orwells "1984", hervorragend in Szene gesetzt in diesem ungewöhnlichen Film, der so gar nicht dem üblichen Film-Fast-Food entspricht, der im allgemeinen im "Sommerloch" über die Kinoleinwände flimmert. Laut sind in diesem Film lediglich die Starts der Space Shuttles, die mehrmals täglich in Gattaca ihre Reise zu den Planeten des Sonnensystems antreten und von denen Vincent nicht einen einzigen versäumt.

Fazit: Ein Science Fiction-Film der anderen Art, bei dem so manchem Zuschauer das Popcorn im Halse stecken bleiben dürfte. Unbedingt sehenswert.

Christinas Meinung:
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In einer nicht allzu fernen Zukunft hat die Wissenschaft den genetischen Code entschlüsselt. Obwohl man Babies jetzt auf Bestellung bekommen kann, gibt es immer noch Menschen, die es auf die altmodische Tour auf dem Rücksitz des Autos tun. Natürlich werden sie prompt bestraft durch ein Kind, dem alle möglichen Krankheiten drohen und das mit ziemlicher Sicherheit nicht älter als 30 werden wird. Einem derart fehlerhaften Stammhalter kann man als Mann ja nicht guten Gewissens seinen Namen geben. Den reserviert man lieber für den nächsten Versuch, aber diesmal geht man auf Nummer sicher.

Sein ganzes Leben lang konkurriert der natürlich gezeugte Vincent (Ethan Hawke) mit seinem "verbesserten" Bruder Anton (Loren Dean), wobei er natürlich immer nur verlieren kann. Sein Status als Invalider sorgt auch dafür, daß er im Weltraumzentrum Gattaca nur die Böden wischen darf, obwohl er doch so gerne ins All fliegen möchte. Seine einzige Chance ist es, alle Brücken hinter sich abzubrechen und sich eine neue Identität zu kaufen. Die liefert ihm Jerome (Jude Law), der zwar genetisch perfekt, aber seit einem Unfall querschnittsgelähmt und an den Rollstuhl gefesselt ist.

Doch gerade als Vincents Traum endlich in Erfüllung gehen soll und er für eine einjährige Reise zum Titan eingeteilt wird, geschieht in Gattaca ein Mord, und die Polizei zieht mit starken Staubsaugern durch die Korridore, so daß ihm die genetische Entlarvung droht.

Die Geschichte von GATTACA ist faszinierend und nah genug an unserer Realität, um uns unbehaglich im Kinosessel hin und her rutschen zu lassen. Die genetische Zwei-Klassen-Gesellschaft ist garnicht so weit weg, wie wir gerne glauben möchten. Leider hat Andrew Niccol das Ganze mehr als schlampig umgesetzt. Die Geschichte hat so viele lose Fäden, daß man einen Pullover daraus stricken könnte.

Ethan Hawke und Jude Law als Repräsentanten der Schattenseiten der perfekten Gesellschaft sind fabelhaft. Die komplizierte Beziehung zwischen Vincent und Jerome ist das Beste am ganzen Film. Auch wenn das Ende einen ziemlich bitteren Nachgeschmack hinterläßt.

Ich frage mich immer noch, ob Uma Thurman in diesem Film irgendeine Funktion außer der offensichtlichen hatte. Zuerst hielt ich ihre Figur Irene Cassini für eine potentielle Astronautin, aber später stellt sich heraus, daß sie dafür garnicht in Betracht kommt. Also beschränkt sie sich darauf, mit Haaren herumzuspielen und nett auszusehen.

Für die drohende Entlarvung von Vincent hätte man sich lieber einen anderen Vorwand ausdenken sollen als diese reichlich konstruierte Mordgeschichte. Das Opfer fiel plötzlich vom Himmel, es gab ein paar völlig unzusammenhängende Polizeiaktionen und Hurra! der Mörder war gefunden.

Unklar blieb auch, was aus der Beziehung zwischen Vincent und seinem Bruder Anton, pikanterweise der ermittelnde Polizeibeamte, wurde. Dabei fing gerade die so gut an und diente dazu, die Konsequenzen der genetischen Manipulationen zu verdeutlichen.

Die Ausstatter des Film scheinen einen etwas seltsamen Geschmack zu haben. Ich hatte zumindest geglaubt, daß wir architektonisch die Vorliebe für klotzige Betonpaläste schon hinter uns gelassen hatten und sehe keinen Grund dafür, in der nahen Zukunft dazu zurückzukehren. Wenn man sich die Mitarbeiter von Gattaca so ansieht, scheint auch das Gen für Individualität und guten Geschmack in Sachen Kleidung weggezüchtet worden zu sein.

Um zu verdeutlichen, daß Diskriminierung nicht mehr auf Äußerlichkeiten wie Hautfarbe basiert, wurde ab und zu mal ein schwarzer Charakter eingebaut, aber wenn man von Uma Thurman mal absieht gab es da keine Frau in irgendeiner herausragenden Position. Darf man daraus schließen, daß ein zweites X-Chromosom als genetischer Defekt gewertet wird, der einen Aufstieg in die oberen Ränge verhindert?

Alles in allem ist GATTACA für mich einer der besten Filme dieses Jahres, aber das liegt leider eher an der Qualität der sonstigen Produktionen.

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Zuletzt geändert: 07. September 2005