Gottes Werk und Teufels Beitrag

Ein Film von Lasse Hallström

Mit Michael Caine, Charlize Theron, Tobey Maguire, Kathy Baker u. a.

Christinas Meinung:

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In dem abgelegenen Örtchen St. Cloud in Maine betreibt Dr. Wilbur Larch (Michael Caine) in den 30er und 40er Jahren ein Waisenhaus und eine gynäkologische Praxis. Die Eltern der "Waisen" in Dr. Larchs Obhut erfreuen sich allerdings bester Gesundheit, denn zu ihm kommen Frauen, die ungewollt schwanger wurden und ihre Babies nicht behalten können. Er zieht sie auf, unterstützt von den beiden Krankenschwestern Edna (Jane Alexander) und Angela (Kathy Baker), und sucht Adoptiveltern für sie. Obwohl es gegen das Gesetz ist, nimmt er auch Abtreibungen vor. Den Waisenjungen Homer Wells (Tobey Maguire) hat er sich als Nachfolger herangezogen. Er hat ihm alles beigebracht, was er weiß, und so kommt es, dass er schon Patientinnen versorgt, obwohl er noch nie eine Schule von innen gesehen hat. Die Abtreibungen kann Homer allerdings nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, obwohl er gesehen hat, was mit Frauen passiert, die sich in ihrer Verzweiflung an irgendwelche Quacksalber wenden. Diese Differenz mit seinem Mentor und seine Neugier auf die Welt außerhalb von St. Cloud lassen ihn eines Tages einer spontanen Eingebung folgen. Er verlässt das Waisenhaus und fährt mit Candy Kendall (Charlize Theron), die dort Patientin war, und ihrem Freund Wally Worthington (Paul Rudd) nach Camp Kenneth, um dort als Pflücker auf der Obstplantage von Wallys Familie zu arbeiten.

Abtreibung ist ein Thema, bei dem die Emotionen hochkochen und Welten aufeinanderprallen, wobei dann solche Absurditäten herauskommen wie Mord an Ärzten im Namen des Lebensschutzes. Das eigentliche Problem, nämlich wie man es Frauen ermöglichen kann, Kontrolle über ihre eigene Fruchtbarkeit und damit über ihr Leben zu erlangen, wird dabei oft (und manchmal auch gern) aus den Augen verloren. Es ist wie mit den Regeln für das Cider House, in dem die Apfelpflücker wohnen, die dem Film und dem Buch von John Irving ihren Titel gaben: sie wurden aufgestellt von Leuten, die gar nicht dort wohnen, also überhaupt nicht betroffen sind, und ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der tatsächlich Betroffenen.

Lasse Hallström hat aus John Irvings Buch einen handwerklich soliden Film mit schönen Bildern und guten Darstellern gemacht. Die Kontroversen kochen hier allerdings auf Sparflamme. Tobey Maguire wandert mit einem freundlichen Lächeln durch den Film und stellt am Ende ähnlich wie in PLEASANTVILLE fest, dass das Leben doch nicht so einfach ist, wie er sich das gedacht hatte. Allerdings vollzieht sich diese Wandlung in GOTTES WERK UND TEUFELS BEITRAG weit weniger glaubhaft. Es lag nicht ausschließlich an ihm, dass bei mir der Funke einfach nicht überspringen wollte, aber er hat dazu beigetragen.

Irving packte das Drehbuch, das er nach seinem Roman geschrieben hat, voll mit großen und kleinen Problemen, ohne sich einem oder zwei tatsächlich mit der Aufmerksamkeit zu widmen, die sie verdient hätten. Drogensucht, Abtreibung, Adoption, Inzest, Betrug, Untreue, kein Wunder, dass er am Ende gezwungen war, Lösungen aus dem Hut zu zaubern, wenn er die verschiedenen Handlungsstränge nicht ohne Abschluss lassen wollte.

GOTTES WERK UND TEUFELS BEITRAG spielt in einer wunderschönen Kulisse. Die Riege der Waisenkinder ist unter anderem mit Kieran Culkin, Erik Sullivan und Paz de la Huerta gut besetzt und präsentiert sich dankenswerterweise nicht zuckrig süß. Ähnlich erfolgreich waren die Macher des Films bei der Auswahl der Wanderarbeiter. Und natürlich sollte jedes Waisenkind einen Zyniker mit gutem Herzen zum Freund haben, wie ihn Michael Caine verkörpert.

Als Film ist GOTTES WERK UND TEUFELS BEITRAG sehenswert. Als Beitrag zur Abtreibungsdiskussion, als den ihn Irving - wenn man nach seiner Aussage bei den Oscars gehen kann - gerne sehen würden, ist er reichlich schwach ausgefallen.

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Zuletzt aktualisiert am: Mittwoch, 07. September 2005

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