Comedian Harmonists

Ein Film von Josef Vilsmeier

Mit Ben Becker, Ulrich Noethen, Max Tiedof, Heino Ferch, Kai Wiesinger, Heinrich Schafmeister u. a.

Christinas Meinung:
KatzeKatze

Eines sei vorweg gesagt: Wer wirklich etwas über die Comedian Harmonists erfahren will, sollte sich die zweiteilige Dokumentation von Eberhard Fechner ansehen. Wenn man die überlebenden Mitglieder der Gruppe im Interview gesehen hat, weiß man auch zu schätzen, wie gut die Besetzung des Films ist, vor allem Ben Becker als Bob Biberti.

Wer die Musik der Comedian Harmonists mag, ist mit dem Soundtrack besser bedient als mit dem Film. Es ist nachvollziehbar, warum Vilsmeier die Originalaufnahmen benutzt hat, und sie klingen auch erstaunlich gut. Aber wenn die Schauspieler die Auftritte der Sänger nachstellen, passen Bild und Ton einfach nicht zusammen. Die einzige Ausnahme ist die Szene in der Kneipe, in der die Comedian Harmonists Instrumente nachahmen.

Vilsmeiers Film erzählt die Geschichte des Ensembles von der Zeit, in der sich die sechs Musiker zusammenfanden, bis zu dem Punkt, als die Hälfte der Originalbesetzung Deutschland verlassen mußte. Die Sechs lernen sich kennen, singen zusammen und suchen sich Frauen. "Cherchez la Femme" könnte gut und gerne der Untertitel des Films sein.  (Fast) alles dreht sich um die junge Erna (Meret Becker). Sie kann sich nicht entscheiden zwischen Frommermann (Ulrich Noethen), dem Gründer der Gruppe, und dem Bass Biberti. Vilsmeier stellt es so dar als sei diese Rivalität ein wichtiger Grund für die Auflösung der Gruppe gewesen, was historisch nicht richtig ist. Die übrigen Sänger und der Pianist Bootz (Kai Wiesinger) kommen nur am Rande vor.

Viel Tiefgang oder eine subtile Erzählweise darf man hier nicht erwarten. Dafür gibt es hübsche bunte Bilder. Seien es nun die Bühnenshows der Comedian Harmonists, die prügelnden oder pöbelnden Nazis oder Ausschnitte aus dem persönlichen Leben der Sänger, alles ist schön glatt inszeniert. Als Bariton Cykowski (Heino Ferch) seine Verlobte Mary (Katja Riemann) bittet, zum jüdischen Glauben überzutreten, sagt sie "Oh. Das muß ich mir noch überlegen." In der nächsten Szene steht sie mit Champagner in der Gaderobe und nimmt seinen Antrag an. Und das war's schon.

Dafür wird auch noch dem letzten im Halbschlaf befindlichen Zuschauer klargemacht, wo in den frivolen Liedern die sexuellen Anspielungen verborgen sind ("Was heißt das, Veronika der Spargel wächst?") Die Geschichte der Comedian Harmonists ist sehr interessant und sicher gut dafür geeignet, den ganz alltäglichen Antisemitismus im Dritten Reich filmisch darzustellen. Vielleicht findet sich ja mal jemand, der das versucht.

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Christina Gross

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Zuletzt geändert: 07. September 2005