Auf immer und ewig

Ein Film von Andy Tennant

Mit Drew Barrymore, Anjelica Huston, Dougray Scott, Patrick Godfrey u. a.

Christinas Meinung:
KatzeKatzeKatze

Jakob und Wilhelm Grimm haben eine Audienz bei einer greisen Edelfrau (Jeanne Moreau). Sie gratuliert ihnen zu ihrer Märchensammlung, hat aber an einer Geschichte etwas auszusetzen: Dem Märchen vom Aschenputtel. Besagte Dame war nämlich ihre Ur-ur-Großmutter. Und die Geschichte, die ihre Nachfahrin erzählt, weicht in einigem vom dem ab, was in unseren Märchenbüchern steht.

Frankreich, 16. Jahrhundert. Danielle (Drew Barrymore), alias Aschenputtel, muß als Magd in ihrem Haus leben, seitdem ihr Vater kurz nach seiner Heirat mit der Baronesse Rodmilla von Gent (Anjelica Huston) gestorben ist. Soweit stimmt noch alles. Aber Danielle ist ein kleines Genie, das schon im zarten Alter von acht von ihrem Vater Thomas Mores "Utopia" zu lesen bekam. Ihren Prinzen Henry (Dougray Scott), den Kronprinzen von Frankreich, trifft sie auch nicht auf einem drei Nächte dauernden Ball. Sie beeindruckt ihn mit ihrer Belesenheit ebenso sehr wie mit ihrem Wurfarm. Die Romanze scheitert denn auch nicht beinahe daran, daß er sie nicht finden kann, sondern an seinem Standesdünkel, denn sie ist keine Adlige. Bis es überhaupt soweit kommen kann, muß Danielle aber noch einige Intrigen ihrer Stiefmutter und ihrer Schwester Marguerite (Megan Dodds) abwehren.

Anjelica Huston ist eine geniale böse Stiefmutter. Dieses beliebte Märchen-Stereotyp wurde noch nie so vielschichtig dargestellt. Danielles Beziehung zu Rodmilla ist denn auch interessanter als die zu Prinz Henry, der ab und zu ein bißchen überflüssig erscheint. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, was Danielle eigentlich an ihm findet. Er ist ja ganz niedlich, aber leider etwas stoffelig und ziemlich verwöhnt. Ein zweites klassisches Märchenmotiv wurde von diesem Film auf den Kopf gestellt. Hier findet sich die außergewöhnlichste "gute Fee", die mir je untergekommen ist. Liebenswert-skurril ist auch das alte Königspaar (Judy Parfitt und Timothy West).

Der Film lebt vor allem von seinem Witz und erst in zweiter Linie von der Romantik. Zuweilen überdreht er aber gnadenlos in seinem Bemühen, witzig zu sein. Sehenswert sind auch die Landschaftsbilder aus dem Perigord und der opulente Maskenball (oh, doch, einen gibt es). Auch die Lösung, die für das Stiefmutter-Problem gefunden wird, ist recht originell. Mit der Verlegung der Geschichte ins Frankreich des 16. Jahrhunderts hätte man sich aber etwas mehr Mühe geben können.

Drew Barrymore ist ein erfrischend aufmüpfiges Aschenputtel. Und wenn man bedenkt, daß Märchen ja schon immer erzählt wurden, um Kindern einen Leitfaden für ihr Leben als Erwachsene zu geben, ist das auch durchaus passend.

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Christina Gross

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Zuletzt geändert: 07. September 2005