Billy Elliot - I Will Dance

Ein Film von Stephen Daldry

Mit Jamie Bell, Julie Walters, Jamie Draven, Gary Lewis u. a.

Christinas Meinung:

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Durch Zufall schlittert der elfjährige Billy Elliot (Jamie Bell) in eine Ballettklasse. Er entdeckt, dass Tanzen seine wahre Leidenschaft ist, und auch der burschikosen Tanzlehrerin Mrs. Wilkinson (Julie Walters) fällt sein Talent auf. Sie möchte ihn an der Royal Ballet School in London unterbringen, aber im nordenglischen Kohlerevier gilt Ballett als Weibersache. Echte Männer boxen oder spielen Fußball, oder kämpfen auf der Straße um den Erhalt der Zechen. Die bevorstehende Schließung der örtlichen Zeche belastet die Familie Elliot schwer. Sowohl Billys Vater (Gary Lewis) als auch sein Bruder Tony (Jamie Draven) sind Bergmänner. Der radikale Tony schreckt auch vor gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der allgegenwärtigen Polizei nicht zurück. Billy, der vergeblich versucht, seiner Familie die früh verstorbene Mutter zu ersetzen, nimmt mit dem Geld für die Boxstunden heimlich Ballettunterricht, aber es bleibt natürlich nicht lange verborgen, dass er nicht daran denkt, die Familientradition fortzusetzen. Zunächst stößt er auf Ablehnung, aber dann einen die Bemühungen, Billy seine Chance zu verschaffen, die zerrüttete Familie.

Da dies kein amerikanischer Hochglanzfilm ist, kann Billy nicht in die heile Welt des Tanzes flüchten. Er wird vielmehr fast zerrissen zwischen den Ansprüchen seiner Familie und seiner Lehrerin. Den Frust darüber tanzt er sich aus dem Leib. Auch seine Höhenflüge werden immer wieder von den harten Realitäten unterbrochen, so wie die Tanzszenen vermischt sind mit Bildern von streikenden Bergleuten, die sich Kämpfe mit der Polizei liefern. Trotzdem setzt er sich durch in einer Welt, die sich von der, in der er aufgewachsen ist, gar nicht noch mehr unterscheiden könnte.

Jamie Bell gibt als Billy Elliot ein beeindruckendes Debüt und ist von einer ebenso starken Darstellerriege umgeben. Regisseur Stephen Daldry spielt geschickt mit lauten und leisen Tönen. Es gibt zwar heitere und mitreißende Momente, aber die Botschaft des Films ist kein kitschiges "Folge Deinem Traum und Du landest im Paradies". Er erzählt vielmehr die Geschichte einer Gruppe von Menschen, die vom Leben gebeutelt werden, aber mit ihren bescheidenen Mitteln das Beste daraus machen. Billy bleibt der Angelpunkt der Geschichte, doch selbst für ihn hat die Erreichung seines Ziels einen bittersüßen Beigeschmack. Sie bedeutet die Trennung von seiner Familie, und natürlich kann nichts das Sterben eines Industriezweiges und das Verschwinden der damit verbundenen Lebensart aufwiegen. Stephen Daldry schafft es, die Dinge immer in die richtige Perspektive zu rücken.

Julie Walters ist einfach eine Wucht als kettenrauchende Ballettlehrerin. Wenn sie ihren Schülern Feuer unter dem Hintern macht oder sich mit Billys Bruder anlegt, freut man sich schon darauf, sie demnächst als Mrs. Weasley in der Verfilmung von J. K. Rowlings’ HARRY POTTER UND DER STEIN DER WEISEN zu sehen. Neben Jamie Bells großartiger Leistung hat mich aber vor allem Gary Lewis als Billys Vater Jackie beeindruckt. Eindringlicher konnte man den Witwer, dem der Boden zum zweiten Mal unter den Füßen weggezogen wird, nicht spielen.

Ein fantastischer Film, von dem sich Hollywood eine dicke Scheibe abschneiden könnte.

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Zuletzt aktualisiert am: Sonntag, 30. März 2003

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