Brot und Tulpen

Ein Film von Silvio Soldini

Mit Licia Maglietta, Bruno Ganz u. a.

Helgas Meinung:

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Eine gut funktionierende Hausfrau wird anlässlich einer Gruppenreise von ihrer Familie auf der Autobahnraststätte vergessen. Es dauert eine ganze Weile, bis der Gatte schnallt, dass der Platz neben ihm leer ist.

Während der Bus zurückfährt, um die Mama abzuholen, ist diese sich plötzlich ihrer Freiheit bewußt geworden und beschließt, das zu machen, wovon sie immer nur träumen konnte und verschwindet per Anhalter. So landet sie schließlich ohne Geld in Venedig, zu einer kurzen Spritztour. Ein abgehalfterter Kellner (Bruno Ganz) bietet ihr eine Schlafgelegenheit, nicht ohne zuvor schnell das Seil wegzuräumen, an dem er sich aufhängen wollte. Irgendwie bleibt Rosa bei diesem sehr sensiblen und rücksichtsvollen Kellner hängen, dessen geplanter Selbstmord in immer weitere Ferne rückt. Statt dessen schenkt er Rosa Bewunderung und Aufmerksamkeit, nimmt jede ihrer Handlungen wahr.

Die Familie indessen fängt an, die Mama zu vermissen. Die Küche ist dreckig und die Hemden ungebügelt. Der Ehemann schickt einen Detektiv los, der ihm seine Frau wieder bringen soll. Rosa wird von ihm gefunden und fügt sich schließlich wieder in ihr Schicksal. Doch sobald die Küche sauber und die Wäsche gebügelt ist, nimmt wieder keiner mehr von ihr Notiz. Dann taucht Bruno plötzlich mit einem alten, klapprigen Lieferwagen auf, kapert die Dame seines Herzens und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

In Italien räumte dieser Film stapelweise Preise ab.

Hier hingegen gilt er als nettes Filmchen, mehr nicht.

Eine gewisse Schlichtheit ist dem Film zwar nicht abzusprechen, dennoch ist er bezaubernd gemacht. Er wurde schon gelegentlich mit Die fabelhafte Welt der Amélie verglichen, mit dem Unterschied, dass er viel realistischer ist. Die Story könnte in der Wirklichkeit prinzipiell schon so ablaufen.

Ich habe den Film nicht als nettes Märchen erlebt, sondern als eine handfeste Aufforderung, Verhaltensweisen und Rollenbilder abzulegen, die dem Glück im Wege stehen. Möglicherweise hat die relative Missachtung des Films in Deutschland damit zu tun, dass dies die Geschichte einer Hausfrau, einer Nurhausfrau und somit eines vordergründig völlig bedeutungslosen Menschen ist. Alle Nurhausfrauen, die erst dann ins Blickfeld rücken, wenn sie nicht funktionieren, sollten diesen Film sehen. Er wird Balsam für ihre Seelen sein. Und wer weiß, vielleicht kann die eine oder andere die Message umsetzen. Dazu muss man aber nicht unbedingt Hausfrau sein, jeder kann diesen Film mit Gewinn sehen.

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Zuletzt aktualisiert am: Sonntag, 30. März 2003

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