Chocolat

Ein Film von Lasse Hallström

Mit Juliette Binoche, Alfred Molina, Johnny Depp, Lena Olin, Judy Dench u.a.

Christinas Meinung:

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Der bitterkalte Nordwind weht, und fast alle Dörfler sitzen sicher in ihrer Kirche wie in einer Trutzburg, als Vianne Rocher (Juliette Binoche) und ihre Tochter Anouk (Victoire Thivisol) nach Lansquenet-sous-Tannes kommen. Vianne gibt freimütig zu, nie verheiratet gewesen zu sein, erklärt ungeniert, dass sie nicht in die Kirche geht, und dann macht sie noch mitten in der Fastenzeit einen Laden auf, in dem es ausschließlich sündige Schokolade zu kaufen gibt. Ihre Pralinen führen die Dorfbewohner bald in Versuchung und reißen einige von ihnen aus ihrem miefigen Alltag. Als Vianne auch noch Josephine Muscat (Lena Olin), die misshandelte Frau des örtlichen Wirtes, bei sich aufnimmt, ist das für den Bürgermeister Graf Reynaud (Alfred Molina) die endgültige Kampfansage. Seine Familie herrscht schon seit Jahrhunderten über das Dorf. Da seine Autorität nun so in Frage gestellt wurde, nimmt er den Fehdehandschuh auf und macht sich daran, den Grobian Serge Muscat (Peter Stormare) zu einem Gentleman zu erziehen, damit Josephine wieder als brave Ehefrau nach Hause zurückkehren kann. Aber nicht nur das schlägt fehl. Viannes Schokolade überbrückt auch die Kluft zwischen ihrer Vermieterin Armande (Judy Dench) und deren Enkel Luc (Aurelien Parent-Koenig), die durch Armandes Streit mit ihrer Tochter Caroline (Carrie-Anne Moss) aufgebrochen ist.

Erst als Vianne sich mit den Flusszigeunern und ihrem Anführer Roux (Johnny Depp) einlässt, wendet sich das Dorf gegen sie, und sehr zum Missfallen ihrer Tochter ist Vianne geneigt, mit dem Nordwind weiterzuziehen.

CHOCOLAT beginnt wie eine Mischung aus MARY POPPINS und ANTONIAS WELT. Kaum sind Vianne und Anouk in Lansquenet-sous-Tannes einmarschiert, lehnt man sich genüsslich im Kinosessel zurück, sieht bei der Herstellung der Schokolade zu und wartet darauf, verführt zu werden. Aber trotz der hervorragenden Darstellerriege und der schönen Kulisse wird der Film den Erwartungen nicht ganz gerecht. Die Geschichte wird ziemlich fahrig erzählt, springt von einem Punkt zum nächsten, schafft es aber nie so richtig, Interesse zu wecken für Armande und ihre Tochter, den Grafen und seine Frau, Josephine und ihren Mann, oder sogar für Vianne und ihre seltsame Familiengeschichte.

Im Gegensatz zu Marleen Gorris’ Antonia hat Vianne im Grafen Reynaud einen Gegner, der auch menschliche Seiten zeigt. Das ist dem Spannungsfeld zwischen den Kontrahenten eher abträglich, und Juliette Binoche wirkt ziemlich blass gegen Alfred Molina. Der Handlungsstrang um die Zigeuner ist reichlich überflüssig. Traurig aber wahr, Johnny Depp hätte dem Film nicht gefehlt, wenn er nicht da gewesen wäre. Das sinnlichste an der ganzen Sache war wirklich das Essen.

Monikas Meinung:

Das kleine, verschlafene französische Provinzstädtchen Lansquenet-sous-Tannes wird an einem kalten, stürmischen Wintertag aus seiner scheinbaren unschuldigen Ruhe gerissen: Mit der Ankunft von Vianne Rocher (Juliette Binoche) und ihrer kleinen Tochter Anouk (Victoire Thivisol) hält die Versuchung Einzug in die Stadt. Vianne hat die Unverfrorenheit, mitten in der Fastenzeit eine Chocolaterie zu eröffnen. Und wenn es nur das wäre! Die Neuankömmlinge unterhöhlen nicht nur nach und nach die strenge Moral der braven Bürger, die bisher immer auf ihren Pfarrer in der Kanzel gehört haben, sie halten es nicht einmal für nötig, zur sonntäglichen Predigt in der Kirche zu erscheinen. Damit nicht genug, scheint Vianne auch nicht den nötigen Respekt vor dem heiligen Sakrament der Ehe zu haben, als sie Josephine Muscat (Lena Olin) bei sich in der Chocolaterie aufnimmt, als diese ihren Mann verlässt, der sie immer wieder verprügelt.

Wer eine tiefgehende, moralische Geschichte erwartet, der wird von Chocolat enttäuscht werden. Der Film lebt von seiner Leichtigkeit und von schönen Bildern, vor allem von Bildern von Pralinen und Schokolade in jeglicher Form. Man kann sich gar nicht satt sehen an all diesen Köstlichkeiten und kann es den Bürgern von Lansquenet nachfühlen, dass sie angesichts all der Versuchungen schließlich schwach werden und ihre Bigotterie vergessen. Mit der Schokolade zieht das Leben in die Stadt ein, und man spricht ihr sicher nicht von ungefähr Heilkräfte für die Seele zu. So gibt es zum Schluss doch noch ein Happy End, aber das ist man von Hollywood auch nicht anders gewöhnt. Störend auf die Atmosphäre des Films wirken die englischen Gesänge in der Kirche, die den Zuschauer aus der ländlichen französischen Idylle herausreißen. Es passt einfach nicht in die Landschaft. Ob CHOCOLAT die fünf Oscar-Nominierungen verdient hat, muss jeder für sich selbst entscheiden. Es ist kein großer Film, aber einen gewissen Charme kann man ihm nicht absprechen. Und man sollte ihn sich auf keinen Fall hungrig ansehen, wenn man keine Tantalusqualen erleiden möchte!

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Monika Hübner

Christina Gross

Zuletzt aktualisiert am: Sonntag, 30. März 2003

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