Finding Forrester

Ein Film von Gus van Sant

Mit Sean Connery, Rob Brown, F. Murray Abraham, Busta Rhymes, Anna Paquin, u. a.

Christinas Meinung:

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Jamal Wallace (Rob Brown) ist ein hochbegabter Junge, der gern Kierkegaard schmökert, wenn er nicht gerade mit seinen Freunden Basketball spielt. Da er wie alle Teenager nicht gern aus der Menge herausragt, sind seine Lehrer die letzten, die davon erfahren. Als er in der Schule dann aber doch durch seine überdurchschnittlichen Testergebnisse auffällt, bietet man ihm ein Stipendium auf einer teuren Privatschule in Manhattan an. Jamal zögert, weil er natürlich merkt, dass man dort mehr an seinen Ballkünsten als an möglichen akademischen Leistungen interessiert ist, entschließt sich aber dann doch, die Chance zu ergreifen. An seiner neuen Schule zieht Jamal sich bald den Hass seines Lehrers Robert Crawford (F. Murray Abraham) zu, der auf Schüler, die sich von ihm nicht einschüchtern lassen und dann auch noch das Zeug haben, ihm die Stirn zu bieten, nicht gut zu sprechen ist.

Durch eine Mutprobe lernt Jamal den Schriftsteller William Forrester (Sean Connery) kennen, der als legendenumwobener Einsiedler in seinem Viertel haust. Forrester erkennt das Talent des Jungen und nimmt ihn unter seine Fittiche, lässt ihn aber schwören, niemandem etwas zu verraten. Nachdem er für seinen Roman Avalon Landing den Pulitzer-Preis gewonnen hat, hat er nie wieder etwas veröffentlicht und auch sonst fast jeden Kontakt zur Außenwelt abgebrochen.

Nach seinem Remake des Hitchcock-Klassikers PSYCHO liefert Gus van Sant wieder eine Neuverfilmung ab. Ihm scheint die Geschichte von GOOD WILL HUNTING besonders gut gefallen zu haben, denn hier erzählt er sie gleich noch einmal, mit ein paar kleinen Änderungen. Wie Will ist Jamal ein Junge, der sich durch seine ungewöhnliche Begabung von seiner Umgebung abhebt und die Chance erhält, diese entsprechend zu fördern. Wills spezielles Talent sollte dem Mathematikprofessor Stellan Starsgard ewigen Ruhm bringen, Jamals sportliche Leistungen sollen den Ruhm seiner Schule mehren. Jamal entfremdet sich ebenso wie Will von seinen alten Freunden und ihren kleinen Macho-Abenteuern. Auch er angelt sich eine Freundin, die aus einer anderen Welt kommt, aber da die beiden jünger sind als ihre Vorgänger, bleibt die Sache schön unschuldig. Anna Paquin wurde allerdings im zarten Alter von elf in Jane Campions DAS PIANO schon wesentlich mehr gefordert als in diesem Film. Für die menschliche Seite war bei GOOD WILL HUNTING außerdem der verkrachte Psychiater Robin Williams zuständig, bei FORRESTER – GEFUNDEN ist es der verkrachte Schriftsteller Sean Connery. Allerdings sind hier die Rollen vertauscht. Der sensible und vernünftige Junge hilft dem lebensuntüchtigen Autor wieder auf die Beine, und sowohl Connery als auch Brown liefern dabei eine sehenswerte Vorstellung ab. Jamal ist kein Unruhestifter, der sich selbst im Weg steht. Vielleicht darf ein schwarzer Junge sich den Weg aus dem Getto nur verdienen, wenn er ein "gutes Kind" ist und nichts Schlimmeres anstellt als den relativ harmlosen Einbruch bei einem verschrobenen Nachbarn. Und vielleicht braucht ein weißer Junge aus dem Getto unbedingt den Hintergrund als von Pflegefamilien missbrauchte Waise, weil er sonst für sein verkorkstes Leben keine Entschuldigung hat. F. Murray Abraham übernimmt die Rolle des Fieslings, der Jamals Karriere beenden will, bevor sie begonnen hat, und er füllt sie mit Hingabe.

FORRESTER – GEFUNDEN ist ein Wohlfühlfilm, der sich an den Amerikanischen Traum hält, ohne die sicheren Bahnen zu verlassen. Aber er ist gut gemacht und gut gespielt und daher sehenswert.

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Christina Gross

Zuletzt aktualisiert am: Mittwoch, 07. September 2005

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