Flug 93

Ein Film von Paul Greengrass

Christinas Meinung

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Am 11. September 2001 wurden vier Flugzeuge entführt. Drei davon erreichten die von den Entführern bestimmten Ziele und richteten verheerenden Schaden an. Das vierte, United Airlines Flug 93 von Newark nach Los Angeles, stürzte auf ein Feld in Pennsylvania. Niemand überlebte.

FLUG 93 schildert die Ereignisse an Bord der 757 sowie die Reaktionen der militärischen und zivilen Flugleitstellen auf die Entführung der vier Flugzeuge. Regisseur Paul Greengrass beeindruckt durch seinen dokumentarischen Erzählstil. Es ist, als hätte er wirklich an jenem Tag zufällig Kamerateams an allen Handlungsorten stationiert gehabt. Seine Rollen hat er mit weitgehend unbekannten Schauspielern besetzt, einige der Fluglotsen, Mitarbeiter der Flugzentrale und des Militärs spielen sich sogar selbst. Er verzichtet darauf, die Zuschauer im Stil der Flugzeugkatastrophenfilme durch kleine Geschichten mit den Passagieren und der Crew bekannt zu machen und schafft es trotzdem, durch beiläufig eingewebte Gesprächsfetzen das Publikum daran zu erinnern, dass es sich hier um wirkliche Menschen handelte, die nichts Böses ahnten und einfach ihren normalen Tagesgeschäften nachgingen. Die vier Terroristen bleiben rätselhaft. Nur das Nötigste ihrer Gespräche wird in Untertiteln übersetzt. Trotzdem spüren die Zuschauer auch ihre Angst, ihre Zweifel, ihr Zögern, ihren Fanatismus und ihre verzweifelte Wut. In den Flugleitzentren herrscht eine Mischung aus Hektik und äußerster Professionalität. Mit den Fluglotsen in Newark erleben die Zuschauer das Entsetzen über die Einschläge in die Türme des World Trade Centers. Die Amateure fügen sich nahtlos in die Reihen der Schauspieler ein, da Paul Greengrass während des ganzen Filmes auf eine möglichst alltägliche Sprache achtet.

Der Ton des Filmes bleibt durchgehend nüchtern. Schonungslos, aber ohne Wertung, wird von den Pannen berichtet, den fehlenden Kampffliegern, der mangelnden Kommunikation zwischen den verschiedenen Behörden, der Tatsache, dass es für die Crew unmöglich war, jemand Verantwortlichen bei ihrer Airline zu erreichen, um über die Situation an Bord zu informieren.

Als besonders wohltuend empfand ich dabei, dass man auf jede Art von Hurra-Patriotismus verzichtet hat. Die Angst der Passagiere war greifbar, die Entschlossenheit, mit der sie schließlich ihr Schicksal in die Hand nahmen, plausibel. Niemand hielt eine flammende Rede, bevor man in den Kampf zog. Die klaustrophobisch-dichten, wackeligen Handkamerabilder verstärkten die panische Atmosphäre. Die Abschiede der Passagiere von ihren Familien brachte eine zutiefst emotionale Note in den Film.

Paul Greengrass, von dem auch das Drehbuch stammt, versagt sich jede Wertung und lässt die Ereignisse für sich sprechen. Natürlich kann auch er nur spekulieren, wie es sich im Detail abgespielt hat, auch wenn er mit den Familien der Opfer zusammengearbeitet hat, aber man kann sich gut vorstellen, dass es sich genau so zugetragen haben könnte. Mit FLUG 93 wird den Menschen an Bord dieses Flugzeuges ein würdiges Denkmal gesetzt. Und nicht nur das. Ein spannender, mitreißender Film ist dabei auch noch herausgekommen.

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Zuletzt aktualisiert am: Dienstag, 04. Juli 2006

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