Gernstls Reisen

Auf der Suche nach dem Glück

Ein Film von Franz X. Gernstl

Helgas Meinung

Es regnet (mal wieder) und ich möchte raus. In unserem Kino laufen lauter Blockbuster, nur ein Film tanzt aus der Reihe: Gernstls Reisen. Sagt mir nichts, aber mangels Alternative gehe ich und bin überrascht! Ich weiß nicht, wie man es unkitschig sagen kann, also muss ich Rückgriff auf das Kitschige nehmen: Bei diesem Film wird es einem warm ums Herz.

Gernstl macht sich seit 1983 mit einem VW-Bus und seinen Kumpels Hans Peter Fischer und dem Tonmann Stefan Ravasz auf dem Weg, ein unbekanntes Deutschland zu ergründen. In diesem Film ist er auf der Suche nach dem Glück, einem nicht unerheblichem Anspruch, und er wird sogar fündig.

Lauter kleine Episoden werden aneinandergereiht, von den Menschen, denen sie begegnen, und ihrem eigenen Leben. Es geht menschlich, nur allzu menschlich zu.

Der Bauer, der kein Wort sagt, was beklemmend lang gezeigt wird, der Boxtrainer, der vor der Kamera in Tränen ausbricht, als er von seiner Ehe spricht, das Kind, aus der Sanyasin-Gemeinde, das Vegetarier und Fleischfresser gleichzeitig werden möchte, das alte Liebespaar aus Gotha, der Schreiner, als Möbelfälscher tituliert, der mit dem Leben sehr, sehr zufrieden ist, der Unfallchirurg, der inmitten von Tieren lebt, die viel fressen und viel scheißen und letztendlich nicht anders als Menschen sind, weil sie andauernd streiten, der Jesus vom Wörthersee, der sich nichts Geringeres vorgenommen hat als die Welt zu retten, der Wünschelrutengänger, der feststellt, dass es mit dem Bimbam des Toningenieurs nicht zum Besten bestellt ist und andere liebevoll-skurrile Gestalten werden uns ungeschminkt vorgestellt und völlig unaufgebrezelt in ihrer natürlichen Umgebung gezeigt. Wladimir Kaminers deutsches Dschungelbuch als Film, und sogar ein bisschen besser.

Schade nur, dass diese liebenswerten Ausgeflippten fast alles Männer sind, dabei bin ich sicher, dass unser Land auch ein paar sehr eigentümliche Frauen zu bieten hat. Am Ende singt dazu eine Sängerin in einer kleinen, dennoch barock überbordenden Kirche What a Wonderful World. In der Zeit, in der man im Kino sitzt, glaubt man das wirklich. Und das alles ohne große Stars. Was will man mehr?

Home

Filmkritiken

A - H

I - O

P - Z

Buchkritiken

Gastkritiken

Bewertung

Über Christina

Über Helga

Über Monika

Links

 

E-mail
Kommentare? Anregungen?
Schreibt uns:

Helga

 

Zuletzt aktualisiert am: Dienstag, 29. August 2006

Copyright 2006 Gesehen & Gelesen

Impressum