Die Frauen von Stepford

Ein Film von Frank Oz

Mit Nicole Kidman, Matthew Broderick, Glenn Close, Christopher Walken, Bette Midler, u. a.

Christinas Meinung:

Christinas Symbol

Joanna Eberhard (Nicole Kidman) produziert grenzwertige Gameshows, in denen sich alles darum dreht, dass "emanzipierte" Frauen ihre armen Männer fertigmachen. Als einer dieser Getretenen bei einer Preisverleihung Amok läuft und ihr Sender sie daraufhin feuert, hat sie einen Nervenzusammenbruch. Ihr Mann Walter Kresby (Matthew Broderick), selbst einer der bedauernswerten Kerle, dem es nicht gelungen ist, die Karriereleiter so weit hochzuklettern wie seine Frau, zieht mit Joanna und den Kindern Peter und Kimberly weg aus Manhattan in die idyllische Landgemeinde Stepford, wo sie sich wieder erholen soll.

In Stepford ist die Welt noch wohlgeordnet. Frauen machen keine Karriere, sondern konzentrieren sich völlig darauf, das Leben ihrer Herren und Meister zum Paradies auf Erden zu machen. Sie widersprechen niemals, sind körperlich perfekt und sexuell stets willig und verbringen ihre Tage mit Putzen und Plätzchenbacken. Joanna verbringt die erste Zeit damit, sich mit zwei anderen Außenseitern, der aufmüpfigen Autorin Bobbie Markowitz (Bette Midler) und dem überdrehten Schwulen Roger Bannister (Roger Bart), über die verstaubte Gemeinde lustig zu machen, doch dann wird aus der schlampigen Bobbie eine Musterhausfrau und aus dem flippigen Roger ein konservativer Kandidat für die nächste Senatswahl, und Joanna besinnt sich auf ihre journalistischen Fähigkeiten, um dem Geheimnis von Stepford und seinem Männerclub auf den Grund zu gehen.

Wer hat den brisanten Stoff von Ira Levin nur in die Hände von Frank Oz fallen lassen? Aus dem Klassiker über den gegen emanzipierte Frauen gerichteten Backlash macht der Erfinder von Miss Piggy eine schrille, überdrehte Komödie, die nicht einmal witzig ist. Oz arbeitet mit derselben comic-haften Überzeichung wohlbekannter Klischees wie schon bei IN & OUT, nur zünden diesmal die Pointen nicht. In seinem Bemühen, dem Stoff ein eigenes Gesicht zu geben und sich von dem subtilen Horror der Verfilmung von 1975 abzugrenzen, schießen Oz und sein Drehbuchautor Paul Rudnick weit über das Ziel hinaus und verdrehen die Aussage der ursprünglichen Geschichte bis zur Unkenntlichkeit.

Natürlich waren einige Änderungen nötig, um die 30 Jahre alte Geschichte an das Jahr 2004 anzupassen. Dass eine Frau arbeitet und ihre eigene Karriere verfolgt, ist heutzutage Normalität und kein so außergewöhnliches Verbrechen an der Männerwelt, dass es als Strafe einen Umzug nach Stepford nach sich zieht. Deshalb müssen es Frauen sein, die - oh Schreck! - weit mehr verdienen und weit mächtiger sind als ihre Ehemänner, denen sie dadurch ihre Männlichkeit rauben. Und um wirklich progressiv zu sein, findet sich in Stepford, ehemals die letzte Zufluchtsstätte der amerikanischen Kernfamilie im Stile der 50er Jahre, auch ein schwules Pärchen.

Kidman und ihre Kollegen bringen das Gefühlsleben ihrer Charaktere hauptsächlich durch überzogene Mimik zum Ausdruck, und zwar so einhellig, dass ich das keinem einzelnen Schauspieler, sondern eher der Regie von Frank Oz anlasten möchte. Vor allem da Leute wie Glenn Close, Christopher Walken oder Bette Midler schon gezeigt haben, dass es ihnen an Talent nicht mangelt. In der ersten Hälfte des Films wird fröhlich karikiert, zuerst die gegenwärtige Fernsehwelt mit ihren immer abstruseren Reality-Shows und dann die Welt der Hausfrauen, die mit dschungeltauglichen Benzinfressern ihre Kinder von der Schule zum Ballettunterricht fahren und sich mit nichts intellektuell Herausfordernderem beschäftigen als dem Basteln von Weihnachtsschmuck.

Je mehr Joanna dann über das Geheimnis von Stepford erfährt, desto abstruser wird die Geschichte. Nicht einfach nur unrealistisch und jenseits von allem, was heute technisch möglich ist, sondern in sich auch nicht durchdacht und schlüssig, was dem Film das letzte bisschen Glaubwürdigkeit raubt und von der Aussage ablenkt.

Wer den Film noch nicht kennt und ernsthafte Spoiler vermeiden will, sollte jetzt nicht weiterlesen.

.

.

.

Was sind nun die Frauen von Stepford? Roboter, die sogar die Funktion eines Geldautomaten übernehmen können? Wurde ihnen das Gehirn der Originale eingepflanzt oder wurden sie nur mit Persönlichkeit und Bewusstsein - mit den entsprechenden Anpassungen - programmiert? Oder wurde ihnen ein Computerchip eingepflanzt, der nur ihr Verhalten kontrolliert? Gegen all das spricht die Tatsache, dass Walter, ein Fernsehproduzent ohne Kenntnisse in Gehirnchirurgie oder Robotik, ganz allein die Umwandlung von Joanna vorgenommen haben soll. Im Film wird alles mal angedeutet, aber keine Entscheidung getroffen. Vielleicht haben die Macher gehofft, dass es in dem Durcheinander am Ende nicht weiter auffallen wird.

Anders als in Levins Buch war es hier eine Frau, die die Lösung für alle Probleme der armen Ehemänner von aufstrebenden Karrierefrauen ins Leben gerufen hat. Denn schließlich sind es ja doch die Karrierefrauen, die tief in ihrem Herzen alles tun würden, um den Jammerlappen an ihrer Seite glücklich zu machen, anstatt ihn in den Wind zu schießen und sich einen Lebenspartner mit gesundem Selbstbewusstsein zu suchen, und nicht etwa die Männer, die die Verantwortung für ihre Identitätskrise stets bei ihren erfolgreichen Frauen suchen und nicht etwa bei sich selbst.

Home
Filmkritiken
Buchkritiken
Gastkritiken
Bewertungsschema
Über Christina
Über Helga
Über Monika
Links
Harry Potter-Fanfiction
Monika's Creatures

E-mail
Kommentare? Anregungen?
Schreibt uns:

Christina

Zuletzt aktualisiert am: Mittwoch, 07. September 2005

Copyright 2004 Gesehen & Gelesen